Gedankenexperiment: Wie man Parkverstöße eliminiert

Parken auf Radwegen, Fußwegen, Übergängen ist genauso asozial wie alltäglich. Gäbe es einen politischen Willen, das zu verhindern (aka: wäre eine andere Fortbewegungs-Lobby auch nur ein Fitzelchen so mächtig wie die Auto-Lobby), wäre das sehr leicht:

1) Jede und jeder kann Parkverstöße melden. Dafür gibt es eine App: Foto schießen, Metadaten ausfüllen, abschicken.
2) Alle gemeldeten Parkverstöße werden geahndet.

Falls nicht genug Meldungen reinkommen:

3) Jedes Knöllchen wird 5 Euro teurer. Diese 5 Euro werden steuerfrei und netto an den Melder oder die Melderin ausgeschüttet. Das Crowdsourcing der Ordnungswidrigkeitenverfolgung ist nur konsequent, nachdem man mit dem Pfandsystem schon einen Teil der Müllentsorgung an die industrielle Reservearmee ausgelagert hat.

Falls trotzdem noch massenweise falsch geparkt und die Gebühren einfach bezahlt werden:

4) Die Ordnungsgelder werden zu Strafgeldern umgewandelt und beim dritten Knöllchen im Jahr drohen Entzug der Fahrerlaubnis, beim fünften Bewährungsstrafen, bei weiteren Verstößen Haft. Im Führungszeugnis macht sich das auch nicht gut, sodass man dann nur noch Jobs in der Automobilindustrie kriegt.

Starke Einwände

  • „Das kriegen wir nie durch, nicht mal mit ner grünen Kanzlerin.“ – stimmt leider.
  • „Eine staatliche App? Dann können wir das Projekt ja gleich beerdigen.“ – stimmt leider.
  • „Das ermutigt Denunziantentum!“ – stimmt leider.

Mittelstarke Einwände

  • „Wie verdienen wir als Stadt dann Geld? Jährlich kommen XYZ Millionen Euro durch Knöllchen im stehenden Verkehr rein!“ – es ist halt problematisch, wenn die Straf- oder Ordnungswidrigkeitenverfolgung darauf angewiesen ist, die Kriminalität nicht abzuschaffen, sondern so zu konditionieren, dass ausreichend, aber nicht zu viele Verstöße geahndet werden. Das gleiche Dilemma hat jedes Innenministerium, aber auch die Gesundheitsfürsorge (Thema: Rauchen und Tabaksteuer).
  • „Wo sollen die Parkverstößefahndenen denn dann arbeiten, wenn wir sie nicht mehr brauchen?“ – hier sind wir wieder beim Problem, dass man das Richtige (keine Braunkohle mehr abbauen, z.B.) nicht tun kann, weil die heilige Kuh Arbeitsplatz dran hängt. Im Falle der Revolution wäre die Entkopplung von Menschenwürde, Grundversorgung und Arbeitsplatz eine der fürnehmsten Aufgaben.

Schwache Einwände

  • „Wo sollen die Leute denn dann ihre Autos hinstellen?“ – naja … wenn ich keinen Platz für einen Pool habe, kann ich halt keinen Pool haben, sondern muss ins Schwimmbad gehen. Wo Menschen wirklich auf ein Auto angewiesen sind, gibt es für gewöhnlich auch genug Parkplätze. (Zusammenhängende Leseempfehlung: „Über Menschen“ von Juli Zeh.)

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