Sabbatical Archive – Dennis Schmolk https://dennisschmolk.de/tag/sabbatical/ Kontakt: dennis@dennisschmolk.de Mon, 26 Feb 2024 07:25:31 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.4.3 https://dennisschmolk.de/wp-content/uploads/2023/08/cropped-oKajK5kXZmHLTZso5N5C-1-2mlpj-32x32.png Sabbatical Archive – Dennis Schmolk https://dennisschmolk.de/tag/sabbatical/ 32 32 Rückblick: Das Sabbatical-Blog („Lerntagebuch“) https://dennisschmolk.de/2024/02/25/rueckblick-das-sabbatical-blog-lerntagebuch/ https://dennisschmolk.de/2024/02/25/rueckblick-das-sabbatical-blog-lerntagebuch/#comments Sun, 25 Feb 2024 19:19:49 +0000 https://dennisschmolk.de/?p=5770 Nam June Paik used to say that if we do not get the tools of creation in our own hands, it will be ‘1984’, under total surveillance. Big Brother will rule our lives. And now, because of the mobile phone, people can do their own little videos and music – this is the big change in our culture at the moment. (Emil Schult) Meine Zeit zwischen Oktober 2022 und jetzt ... Mehr

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Nam June Paik used to say that if we do not get the tools of creation in our own hands, it will be ‘1984’, under total surveillance. Big Brother will rule our lives. And now, because of the mobile phone, people can do their own little videos and music – this is the big change in our culture at the moment. (Emil Schult)

Meine Zeit zwischen Oktober 2022 und jetzt war ja vor allem von zwei Beschäftigungen geprägt: a) studieren; b) bloggen. Ob man das so richtig trennen kann, weiß ich gar nicht. Trotzdem dachte ich mir, ich werfe einen separaten Blick zurück auf das Thema „Lerntagebuch“. Zumal ich nun nach dem Ende der Präsenzzeit ein bisschen verloren bin; auch da soll Reflexion ja helfen.

Wie viel ist entstanden?

Ich habe hier eine Liste aller Blog-Artikel mit dem Tag „Sabbatical“ erstellt. Zum jetzigen Zeitpunkt umfasst sie über 80 Einträge — u.a. je ca. 15 Artikel pro Semester, in denen ich die jeweilige Veranstaltungs-Woche beschrieben habe; eine handvoll Artikel pro Semesterferien; ein paar Umfragen und Ergebnisse; und die ersten Rückblicke. Die Artikel hatten durchschnittlich 9.000 Zeichen, zusammen etwa 750.000. Das ist also etwa 5 Mal so viel wie meine Masterarbeit, oder 10–15 Hausarbeiten. Im Normseitenverhältnis meines Institus wären das ca. 375 Seiten.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie man das alles „übersichtlich“ halten kann, und will da nicht zu viel Zeit reinstecken … daher bleibt es erstmal so. Die Liste wächst natürlich noch, wenn weitere „Sabbatical“-Artikel dazu kommen.

Wie viel Zeit floss da rein?

Das ist schwer zu sagen. Die meisten Veranstaltungsrückblicke entstanden während der Woche, also z.B. noch im Seminar oder kurz danach. Da hätte ich ja sowieso mitgeschrieben. Und Lektürebeschreibungen entstanden logischerweise beim Lesen. Aber etwa eine Stunde zusätzlicher Aufwand für

  • die Verschriftlichung von Gedanken,
  • das Glätten von Zetteln hin zur Publikationsreife,
  • das Suchen & Finden eines Beitragsbilds,
  • Korrekturlesen
  • etc.

fiel pro Woche sicherlich an.

Hat sich der Aufwand gelohnt?

Ja. Das Bloggen war eigentlich unverzichtbar, sowohl während des Studiums als auch aus heutiger Sicht.

Erstens hätte ich sonst ein „nichtöffentliches“ Lerntagebuch führen müssen. Denn wenn man Gelesenes, Gedachtes, Gesehenes nicht in einen einigermaßen kohärenten Text bringt (also nicht nur Stichpunkte, sondern eine kommunikative Argumentation!), merkt man sich das nicht gut. Ob man etwas verstanden hat, merkt man erst, wenn man es jemandem zu erklären versucht (und der „jemand“ kann ein mehr oder minder anonymes Blogpublikum sein).

Zweitens hätte ich dann jetzt kein hübsches Album der Erinnerungen an diesen Zeitraum. So ein Blog bietet einen Raum für Erlebnisse (und Rants), und dadurch wird auch eine Zugverspätung erträglicher: immerhin hat man dann dem Tagebuch etwas anzuvertrauen.

Drittens hat das kontinuierliche Bloggen dafür gesorgt, dass mir der Übergang vom Lesen zum Schreiben (hinsichtlich der Studienarbeiten) leichter fiel. Denn so kam ich nie ganz aus dem Schreiben raus.

Und viertens bot das Bloggen immer eine schöne Prokrastinationsmöglichkeit. Für nahezu alle Tätigkeiten muss ich in der passenden Stimmung sein, sonst fallen sie mir unglaublich schwer. Beim Warten auf diese Stimmung konnte ich mir zumindest einreden, dass das Bloggen eine sinnvolle Tätigkeit ist, mit der ich die Zeit herumbringe …

Wurde das irgendwann mal lästig?

Ich glaube, zwei oder drei Mal hatte ich das Gefühl, unter einem gewissen Druck zu stehen und „abliefern“ zu müssen. (Was natürlich lächerlich ist, nachdem hier nur ca. ein Dutzend Menschen mitliest; und diese Menschen hätten vermutlich alle Verständnis dafür gehabt oder es gar nicht bemerkt, wenn mal eine Woche nichts passiert wäre.)

In den restlichen ca. 43 Wochen war das Bloggen eigentlich eine völlig natürliche und normale „Studienbeschäftigung“, so wie Texte lesen oder Uni besuchen. Und in manchen Wochen (gerade in denen mit frustrierendem Verkehr) hat es mehr Spaß gemacht als der Uni-Studien-Pendel-Alltag. Bloggen ist zu einem richtigen Hobby geworden, das ich (in verminderter Intensität) auf jeden Fall beibehalten werden. (Nicht, dass ich vorher nicht gebloggt hätte.)

Warum nicht per „Social Media“?

Das habe ich mich dann auch irgendwann gefragt. Ich hätte ja auch Threads auf Twitter, Mastodon oder (später) Bluesky machen können. Oder Bilder auf Insta teilen. Vermutlich hätte es da auch mehr Kommentare gegeben — das war hier im Blog ja eher die Ausnahme. Feedback gab es fast jede Woche, am häufigsten per Signal oder Whatsapp. Überrascht hat mich, dass mehrere Leute dankbar waren, dass ich die Links in meinen „Whatsapp Status“ stellte — ich gucke da fast nie rein … Und teilweise kam das Feedback auch ganz real in leiblicher Kopräsenz. Nur ist das inzwischen natürlich nicht mehr den einzelnen Wochen zuordenbar. Per Social Media wäre das leichter.

Andererseits würde ich mich in den Hintern beißen, hätte ich auf Twitter mit dem Kram angefangen und inzwischen mein gesamtes Publikum verloren, weil da nur noch Nazis abhängen. Da ich zusammenhängende Gedanken publizieren wollte, wäre das auch sehr aufwändig gewesen. Außerdem hätte ich dann dort aktiver sein müssen, als mir lieb ist (ich konsumiere aktuell wenig bis keine „News“, ob klassisch oder „sozialmedial“). Für Instagram hätte ich nicht genug visuellen Content gehabt. Und von Kram wie Facebook, LinkedIn, Mastodon, Discord wollen wir mal gar nicht anfangen … Es gab also eigentlich keine Alternative zum Bloggen. Oder mit den Worten von Marc Weidenbaum:

Social media is “social.” Blogs are “web logs.” Social media expects feedback (not just comments, but likes and follows). Blogs are you getting your ideas down; feedback is a byproduct, not a goal. (aus „Q: Why Blog? A: Blogs Are Great“ – dort auch: „Bring Out Your Blogs“)

Außerdem zwingt ein Blog dazu, die Sachen zumindest ansatzweise „rund“ zu machen. Und man behält die Kontrolle — egal, was mit der Plattform passiert. (Deswegen bin ich nach wie vor ein Fan selbst gehosteter Blogs; kein WordPress.com, kein Medium.com, keine „Social-Network“-Blogging-Plattformen, kein Substack etc.) Deswegen lieber Slow Social Media, und deswegen lieber selbstständig.

Learnings fürs nächste Mal?

Gerade am Anfang waren die Wochenschauen schon sehr lang. Ich hatte überlegt, ob sich ein Umstieg auf Themen statt Zweitabschnitte lohnen könnte … aber das wäre vermutlich zu viel Arbeit gewesen, und ich hätte jetzt kein so schönes Erinnerungsalbum.


Beitragsbild: Die wichtigsten Print-Bücher des Studiums in der Gesamtschau.

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Rückblick: Alle Veranstaltungen des Studiums https://dennisschmolk.de/2024/02/19/rueckblick-alle-veranstaltungen-des-studiums/ https://dennisschmolk.de/2024/02/19/rueckblick-alle-veranstaltungen-des-studiums/#respond Mon, 19 Feb 2024 08:35:56 +0000 https://dennisschmolk.de/?p=5762 Denken ohne Fühlen, so erweist sich, ist »irrational«, und wahrscheinlich Fühlen ohne Denken auch »herzlos«. (Fritz Simon, „Zur Systemtheorie der Emotionen“, S. 134) Nachdem nun (fast) alle Prüfungsleistungen erbracht sind, gibt es im Folgenden ein Ranking aller VAs — auch, um an alle nochmal zu denken. Das Ranking Ich habe das zusätzlich mal dreigeteilt: Was ich wieder belegen würde S Emotionsgeschichte (SS23): Die beste Veranstaltung, von Anfang bis Ende interessant ... Mehr

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Denken ohne Fühlen, so erweist sich, ist »irrational«, und wahrscheinlich Fühlen ohne Denken auch »herzlos«.
(Fritz Simon, „Zur Systemtheorie der Emotionen“, S. 134)

Nachdem nun (fast) alle Prüfungsleistungen erbracht sind, gibt es im Folgenden ein Ranking aller VAs — auch, um an alle nochmal zu denken.

Das Ranking

Ich habe das zusätzlich mal dreigeteilt:

Was ich wieder belegen würde

  • S Emotionsgeschichte (SS23): Die beste Veranstaltung, von Anfang bis Ende interessant und auch sehr inspirierend. Ohne hätte ich mit dem Briefwechsel meiner Großeltern weniger angefangen, hätte keine so klare Idee für die Masterarbeit gehabt etc. pp. Wermutstropfen: Eine der Professorinnen (Carola Dietze) wurde mit einer extrem unschönen Bürokratie-Finte nicht entfristet (Akrützel und Leserbriefe dazu). Und Jan Plamper, von dem wir Texte lasen und der uns eine Sitzung per Zoom begleitete, starb Ende 2023.
  • S Eigentum und Geschlecht (SS23)
  • S Religion und Geschlecht (WS23)
  • S Eigenes Haus (SS23)
  • S Körpersoziologie (WS23)
  • S K&Ü (WS24)
  • S Affektiver Kapitalismus (SS23)
  • V Einführung in die Ethik (WS23)

Was ich wieder belegen würde, wenn es keine bessere Option gibt oder wenn ich sehr viel Zeit hätte

  • S S&G (WS24)
  • L Lektürekreis II: Annie Erneaux (SS23)
  • S Fußball (WS24)
  • V Ringvorlesung GT (WS23)
  • S Gastlichkeit (WS23)

Was ich nicht noch einmal besuchen bzw. belegen würde

  • L Lektürekreis I: Agnoli (WS23)
  • (Tagung) Musiksoziologie in Weimar (SS23)
  • KGB (SS23)
  • K Siegmundsburg (WS23)
  • V Politische Ideengeschichte (SS23)
  • K Politische Ideengeschichte (SS23)
  • Religion und Sozialismus (SS23): Ein verdienter letzter Platz. Das Seminar war einfach eine Frechheit und ich würde nachfolgend Studierenden wünschen, dass die beiden Dozenten keine Seminare mehr anbieten. It’s a trap!

Weicht das von der Benotung nach den Semestern ab?

Marginal. „K&Ü“ ist hier schlechter platziert als im Vergleich der jeweiligen Noten, aber das liegt vielleicht auch daran, dass „1“ und „1-“ nicht ganz so klar sind wie es eine Notenskala suggeriert. Ist eine „1-“ eine 1,3 oder eine 1,7 …? Ist dann die 1,7 eine „2+“? Das würde ich nächstes mal eindeutiger machen, vielleicht mit x/10.

Welches Semester war das beste?

Ganz eindeutig das Sommersemester 2023, also das zweite Semester. Hier war zwar auch die größte Gurke versteckt („RuS“ bzw. das ganze Politik-Modul), aber der Rest war sehr inspirierend. Außerdem war Sommer.

Viele meiner Kommilitonys waren übrigens auch enttäuscht vom Wintersemester 23/24 … ich ja auch ein bisschen, es boten sich irgendwie nicht soooo viele spannende Sachen an.

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Ranking der Veranstaltungen des WS 2024 https://dennisschmolk.de/2024/02/13/ranking-der-veranstaltungen-des-ws-2024/ https://dennisschmolk.de/2024/02/13/ranking-der-veranstaltungen-des-ws-2024/#comments Tue, 13 Feb 2024 06:59:09 +0000 https://dennisschmolk.de/?p=5750 [A] fact about lists known since antiquity: they make it possible to manage information one does not understand — possibly producing new information as a result. (Elena Esposito, „Artificial Communication“) Wie schon zum ersten und zweiten Semester, soll es auch zum dritten ein Ranking geben. Abschließend werde ich demnächst auch noch einen Gesamtüberblick aller Seminare, Vorlesungen etc. schreiben. Ich habe (inklusive der Klausurtagung in Siegmundsburg und der Musiksoziologie-Koferenz in Weimar) ... Mehr

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[A] fact about lists known since antiquity: they make it possible to manage information one does not understand — possibly producing new information as a result. (Elena Esposito, „Artificial Communication“)

Wie schon zum ersten und zweiten Semester, soll es auch zum dritten ein Ranking geben. Abschließend werde ich demnächst auch noch einen Gesamtüberblick aller Seminare, Vorlesungen etc. schreiben. Ich habe (inklusive der Klausurtagung in Siegmundsburg und der Musiksoziologie-Koferenz in Weimar) 20 Veranstaltungen besucht. Im dritten Semester, dem Wintersemester 2023/24, nur drei (bzw. vier).

Ranking

  • K&Ü (Note: 1-): Mein Favorit dieses Semester. Als Studienleistung sollte ein jedes ein Protokoll verfassen, was sowohl nützlicher für den langfristigen Lernerfolg als auch weniger aufwändig ist als ein Referat. Das funktioniert natürlich nur, wenn viele Leute den Text gelesen haben und eifrig mitdiskutieren — das klappte fast immer problemlos, und wenn nicht, hatte der Dozent fast immer einen diskussionsanregenden Gedanken. Inhaltlich hat mich das Ganze auch überzeugt; das einzige, was mir im Nachhinein betrachtet fehlte: Man hätte „Überfluss“ auch auf Zeit, nicht nur auf Geld beziehen können (wenn man unterstellt, dass das nicht vollständig konvertibel ist).
  • S&G (Note 2): Dieses Seminar war etwas zäh — mir aber nicht ganz erklärlich, wieso. Ich sprach darüber auch mit Kommilitonys, die es vor allem auf ein zu hohes Textniveau schoben. Im Nachhinein hätten ein paar mehr „Überblickstexte“ gut getan. Ich fand einiges an Input gut, verlor aber den roten Faden, worum es uns eigentlich geht. Insgesamt werde ich weder mit Kritischer Theorie noch mit Sprachphilosophie warm. Interessanterweise wählten 3/5 Leuten als Essay-Thema Bourdieu — wäre mir nicht der Luhmann-Gedanke gekommen, hätte ich das auch getan.
  • Fußball (Note 3+): Bis zum Schluss blieb bei mir der Eindruck bestehen, dass es hier mehr um Begeisterung für Fußball geht, der in ein Seminar gegossen werden soll, als um eine Analyse, was uns der Fußball über die Gesellschaft sagt. Ich habe denn auch einige Sitzungen ausfallen lassen, wenn mich das konkrete Thema nicht fesselte.

Ohne Wertung: die Forschungswerkstatt. Leider verschoben sich alle Termine (auch durch Uni-Streiks) in ungünstige Zeiträume (GdL-Streik!) — meine leider ebenso. Was ich gehört habe, war spannend. Es gab aber eh nur 3 Termine (meinen und zwei von Kommilitoninnen), wovon ich einen nicht wahrnehmen konnte. Und damit sind wir bei der …

Anwesenheit

Leider muss ich verzeichnen, dass ich dieses Semester nicht besonders viel anwesend war. Hatte ich im ersten Semester genau eine Sitzung genau einer Veranstaltung verpasst, waren es diesmal vier Krankheitswochen (Grippe am Anfang und dann Covid Ende November) plus mehrere Streikausfälle. Da kam sozusagen immer irgendwie das Leben dazwischen …

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WS24/15: Das Ende der Präsenz https://dennisschmolk.de/2024/02/07/ws24-15-das-ende-der-praesenz/ https://dennisschmolk.de/2024/02/07/ws24-15-das-ende-der-praesenz/#respond Wed, 07 Feb 2024 20:14:34 +0000 https://dennisschmolk.de/?p=5707 “Ambient music should not have any direction — it should remain ambiguous and incomplete.” (Phew) Ein bisschen merkwürdig ist das schon immer im (leeren) IC nach Jena. Pünktlich zur Abfahrtszeit sind alle relevanten Parteien vor Ort, inklusive dem Zug; man fährt dann pünktlich los, auf einer scheinbar leeren Strecke, und tuckelt vor sich hin; und dann ist man plötzlich 5-10 Minuten verspätet, obwohl man nirgends merklich Zeit verliert, weder auf ... Mehr

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“Ambient music should not have any direction — it should remain ambiguous and incomplete.” (Phew)

Ein bisschen merkwürdig ist das schon immer im (leeren) IC nach Jena. Pünktlich zur Abfahrtszeit sind alle relevanten Parteien vor Ort, inklusive dem Zug; man fährt dann pünktlich los, auf einer scheinbar leeren Strecke, und tuckelt vor sich hin; und dann ist man plötzlich 5-10 Minuten verspätet, obwohl man nirgends merklich Zeit verliert, weder auf der Strecke noch an den „Unterwegshalten“. Ein Temporalmysterium.

Aber das ist nun vorbei, und ich lasse Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zurück, kurz bevor die AfD sich diese Ländereien einverleibt. (Ich hatte schon mal erwähnt, dass es in Merseburg ein merkwürdiges Fehlen der Jahr 1933–1945 im Stadtmuseum gibt, gell? Ja.)

Pläne

Nun stellt sich natürlich die Frage: Was mache ich in den nächsten Wochen?

  • Vermutlich nicht mehr so viel bloggen. Irgendwann demnächst will ich nochmal einen Rückblick aufs dritte Semester sowie auf die ganzen Veranstaltungen und entstandenen Arbeiten wagen. Sozusagen als Abschluss dieses Lerntagebuchs.
  • Dann muss meine MA noch überarbeitet werden, wenn mehr Feedback eingegangen ist (vielen Dank schonmal an die vier bisherigen Testleser und die bisherige Testhörerin!).
  • Für S&G steht ein zweiter Essay an.
  • Ein paar Projekte warten auf Fortführung.
  • Eine Woche Nordseeurlaub.
  • Ein paar Leute besuchen.
  • Gerade liegen mehrere Lektüren auf Halde: Lisa Feldman Barretts „How emotions are made“ (was immer noch MA-Bezug hat) sowie der „Schelmenroman“ von Gerhard Henschel.
  • Außerdem warten noch Leute auf Feedback zu Haus- und Masterarbeitsentwürfen …

Uni

Das ist also tatsächlich die letzte Präsenzwoche! Unglaublich. Kurz vor Zugabfahrt traf ich eine Kommilitonin aus E&G (SS23), die heute auch zum letzten Mal in einer Präsenzveranstaltung war. Im Gegensatz zu mir will sie aber tatsächlich nie wieder einen Fuß auf Jenaer Boden setzen …

S&G: Essay-Besprechung

Wir besprachen Essays, und es war eine der besten Sitzungen des Seminars (auch, weil wir immerhin zu siebt waren). Drei Mal ging es um Bourdieu, ein Mal um Habermas, ein Mal um Luhmann. Ich überlasse es den geneigten Lesys, daraus allfällige Schlüsse zu ziehen!

K&Ü: Degrowth (Tim Jackson)

Wir lasen einen Text über die Fragen

  1. ob permanentes Wachstum möglich ist (der Text sagt: nein),
  2. was am Argument dran ist, dass sinkendes Wachstum automatisch zu steigender Ungleichheit führen muss (Text: das ist Propaganda),
  3. wie sich Null-Wachstum und sinkende Ungleichheit gleichzeitig ermöglichen lassen (Text: per Grundeinkommen oder per Staatskontrolle über Geldschöpfung und entsprechende Investitionen in wachstumsschwache, aber „sinnvolle“ Bereiche).

Wachstum wurde mehr oder weniger definiert als steigendes Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt („global GDP per capita“), und das wiederum setzt sich zusammen aus Arbeitsproduktivität mal Arbeitskräfterate (wie hoch ist der Prozentsatz der Menschen „in Arbeit“?) mal durchschnittliche Arbeitszeit. Generelles Wachstum erfordert also immer eine Zunahme mindestens eines der beteiligten Faktoren.

Zu c): „Elaborating on these ideas is beyond the scope of this paper.“ Schade. Aber dennoch eine recht spannende Lektüre. Takeaway: Das OECD-Produktivitäts-Wachstum könnte (ab) 2028 bei 0 liegen — mit unklaren Folgen für die Welt der Arbeit … daher bleibe ich erstmal gesichert in meiner Identität als Tech-Nihilist.

Nach dem Seminar entspann sich noch eine Kaffee-Diskussion über ETFs. Kann man die als Beteiligung an Produktionsmitteln werten …? Und mit welchen (theoretischen und praktischen) Folgen? Sind von Blackrock emittierte, physisch replizierende Index-ETFs da anders zu bewerten als Einzelaktien von Unternehmen? Oder ist das alles eine reine Illusion und soll Leuten unter Vorspiegelung ihrer Überlegenheit („finanzieller Bildung“) nur das Geld aus der Tasche ziehen? Ist das das neue Sparbuch, von dem vor allem Mittelsleute profitieren? Hat man was von einem Kuchen …?

Die Union ist …

„Früher war die CDU eine Partei für Menschen, die der Auffassung sind, dass der Sozialstaat keine unbegrenzte Zuwanderung verträgt. Sie war die Partei der Autofahrer, die Partei der inneren Sicherheit, die Partei der Bauern. Sie bot einem Grossteil der bürgerlichen Mitte eine politische Heimat.“ (Wie man anhand der Rechtschreibung unschwer erkennen kann aus der NZZ.)

Autofahrer, innere Sicherheit, Bauern. Genau meine Klientel. Fehlt nur noch „Wertegemeinschaft rund um Familie, Christentum und Tradition“.

Achso. Stimmt.


Beitragsbild: Jena zeigt sich nochmal von seiner grau(sig)sten Seite.

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WS24/14: Meinungsvielfalt, Politik und viel Mythos https://dennisschmolk.de/2024/02/02/ws24-14-meinungsvielfalt-politik-und-viel-mythos/ https://dennisschmolk.de/2024/02/02/ws24-14-meinungsvielfalt-politik-und-viel-mythos/#respond Fri, 02 Feb 2024 08:06:11 +0000 https://dennisschmolk.de/?p=5681 Wer das Leben liebt, liest nicht. [D]er Zugang zum künstlerischen Universum ist mehr oder weniger für jene reserviert, die ein wenig die Schnauze voll haben. (Michel Houellebecq, „Gegen die Welt, gegen das Leben“) Das Semester springt seinem Ende entgegen. Das wird auch aus der dieswöchigen Themenwahl deutlich: Ich war nicht in Jena und habe dort auch nur ein Seminar verpasst — alles andere entfiel. Ich bin gerade gar nicht böse; ... Mehr

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Wer das Leben liebt, liest nicht. [D]er Zugang zum künstlerischen Universum ist mehr oder weniger für jene reserviert,
die ein wenig die Schnauze voll haben.
(Michel Houellebecq, „Gegen die Welt, gegen das Leben“)

Das Semester springt seinem Ende entgegen. Das wird auch aus der dieswöchigen Themenwahl deutlich: Ich war nicht in Jena und habe dort auch nur ein Seminar verpasst — alles andere entfiel. Ich bin gerade gar nicht böse; denn nach dem Pensum der letzten 13 Wochen plus intensiver (Re-)Lektüre von Material für meine Masterarbeit bin ich etwas … durch. Ich brauche dringend mal wieder andere Inhalte für mein Hirn.

Daher gucke ich Fargo, spiele Computerspiele wie „The Sinking City“ und lese wild in der Gegend herum. Aber auch dabei wird man so gewisse Studieninhalte nie los …

Sprache und Geschlecht

Hier gibt es einen langen, sehr interessanten Reader über „Sprache und Geschlecht“ — ich finde den vor allem auch technisch sehr gut gemacht (hab ich aber nur am Rechner ausprobiert), weil man eine Kurzfassung präsentiert bekommt, aber bei tiefergehendem Interesse auch in weitere Artikel gucken kann. Die Aufbereitung der „Fußnoten“ zu Links in der Sidebar finde ich sehr gelungen. Inhaltlich stecken da sehr viele spannende Details drin. Sprachistorys z.B. gehen davon aus, dass in frühen Sprachen eher „belebt/unbelebt“ als „grammatisches Genus“ verwendet wurde.

Ein bisschen verkürzt sind vielleicht Aussagen wie: „Entgegen manchen Behauptungen wird niemand zur Nutzung des Gendersternchens gezwungen.“ Das mag sein, aber in vielen Kontexten wird man schief angeguckt, wenn man jeweils gendert, oder eben auch nicht. Ob man das als „Zwang“ definiert, hängt dann sicherlich von der Situation ab; aber einen gewissen Druck, sich zu „bekennen“, beobachte ich zumindest im Uni-Alltag auf jeden Fall. (Ich hatte ja neulich auch mal einen Artikel im Blog verlinkt, der das so ausdrückt, dass man sich „performativ“ nicht entziehen kann, Stellung zu nehmen: Man muss entweder gendern, nichtgendern oder sich peinlich darum herumdrücken.)

Meinungsvielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Mensch, ist das heute politisch hier! Eine Studie der Uni Mainz hat untersucht, wie die ÖR-Medien Vielfalt abbilden und wie selektiv sie dabei Vorgehen. Fazit: Ausgewogen, aber negativ.

Die Studie zeigt, dass alle untersuchten Formate sämtliche Parteien negativ bewerten. Diese negative Darstellung könnte laut Maurer beim Publikum den Eindruck erwecken, dass keine Partei fähig sei, die aktuellen Probleme zu lösen. „Das kann ja für die Demokratie auch nicht gut sein“, warnt Maurer. Die Studie stellt außerdem fest, dass progressive Bewertungen dominieren und es an konservativen sowie marktliberalen Positionen mangelt. (SWR-Interview zur Studie)

Eine Sache, die dem wiederspricht: Im ÖRR wird niemals positiv über die Linke berichtet; sogar über die AfD gibt es mehr Positives. Hier die entsprechende Grafik:


(Studie S. 14)

Da kann man sich dann natürlich fragen, auf welche Weise es „wichtig“ ist, wie berichtet wird. Der AfD scheint schlechte Presse nichts auszumachen, im Gegenteil. Ihre Themen kriegt sie auf die Agenda, ob sie nun affirmativ oder kritisch „begleitet“ wird. Und ein blinder Fleck der Studie ist natürlich, dass über generelle Alternativen (sagen wir: die Revolution des Proletariats) nicht berichtet wird.

Etwa bedenklich ist dann der Ausblick der Studie, man solle doch mal besser positiver berichten … das verkennt a) deskriptiv die „Eigendynamik“ der Massenmedien und b) präskriptiv deren Aufgabe. Aber vielleicht erwartet uns ja diese Polarisierung: Offizielle Jubelmedien gegen überkritische Social Media …?

(Gefunden bei fefe)

Jacobin „Artificial Intelligence“

Empfehlenswerte Ausgabe des Jacobin zum Thema Sprachalgorithmen, „Künstliche Intelligenz“ etc. Ich hatte schon mal auf einen lesenswerten Artikel von Leif Weatherby hingewiesen, der LLMs als „ideology machines“ betrachtet; im doppelten Sinn: Sie stellen Ideologie her, und sie machen die herrschende Ideologie sichtbar. Von Weatherby findet sich auch in dieser Ausgabe ein sprachphilosophischer Aufsatz, der Marx und Chomsky zusammenbringt und über Auswirkungen auf Kommunikation nachdenkt.

Garrison Lovely schreibt über verschiedene AI-Safety-Diskurse. Dabei bleibt der beunruhigende Eindruck, dass es völlig egal ist, ob wir irgendwann von Roko’s Basilisk oder einer Artificial General Intelligence abgeräumt werden — der Weg dahin kann für (fast) alle unangenehm genug werden. Das wäre aber vermutlich mit „Superintelligenzen“ in Form haftungsbeschränkter Organisationen auch nicht großartig anders, technische Entwicklung hin oder her … Auffällig: Da spielen insgesamt nur sehr wenige Frauen mit.

So, das war mir nun genug Pessimismus, ich betrachte mich jetzt als systemtheoretisch informierten Tech-Nihilisten. Und gehe Paperclips machen.

Lektüren mit latentem MA-Bezug

Nebenbei gab es noch Zeit für ein paar Bücher mit mehr oder weniger MA-Bezug.

„Widerstände der Systemtheorie“

Ich hatte den Band schon mal erwähnt. Es ist interessant, wie lang knappe 25 Jahre scheinen können, wenn man sich die Beiträge und damaligen Rezensionen anguckt. Hier geht es vor allem um „Dekonstruktion“ und Psychoanalyse, Kittler und Technikgeschichte, die „widerständig“ gegen die Systemtheorie optieren. Vielleicht bin ich in kulturwissenschaftlichen Diskursen aber auch einfach nicht drin.

Damals hat das jedenfalls einiges an Echo erzeugt:

  • Eine FAZ-Rezension, die moniert, dass „Theorieangebote Luhmanns“ wie „Evolution oder strukturelle Kopplung“ unterbelichtet bleiben und Ethik keine Rolle spielt.
  • Eine Rezension von Oliver Jahraus, der auf die Kritik der Systemtheorie als Ideologie abhebt. Gegenüber der Kritischen Theorie muss eine „Theorie, die kein Sensorium für eine Gesellschaftskritik besitzt, die aber andererseits einen immensen Aufwand für die Beschreibung des Funktionierens der Gesellschaft betreibt, […] provozieren“, oder anders: Wie immer steht die Systemtheorie unter dem Verdacht, affirmativ statt kritisch zu sein.
  • Eine kulturtheoretische Rezension, die einige begriffliche Probleme sowohl mit „Gesellschaft“ als auch mit „Kultur“ sieht und fragt: „[L]ässt sich darin allein ein systemtheoretisches Problem oder doch eines der Kulturtheorie selbst erkennen, die auf der Suche nach ihrem Gegenstandsbereich und methodischen Rahmen ebenfalls nicht zur Ruhe kommt?“

Kritische Theorie (was immer man darunter versteht) und manche (Post-)Strukturalismus-/Dekonstruktions-Ansätze scheinen mir tendenziell davon auszugehen, dass Dinge funktionieren (sollten), um dann Dysfunktion zu kritisieren. Luhmann geht andersherum vor: Gelingen ist unwahrscheinlich; wenn es dennoch passiert, muss man das erklären. Alles andere ist Erwartung.

Und: Mein Eindruck ist ja, dass die Systemtheorie eher „vergessen“ ist als „kritisiert“. Das kommt ggf. einfach durch die mangelnde Überprüfbarkeit; und erklärt dann auch, warum Derrida und Co. nicht mehr sehr in Mode sind. Da gilt das Gleiche. Die momentanen Fachdiskurse scheinen sich eher auf „Methodisches“, mittlere Reichweiten etc. zu fokussieren (und da passt ja auch eine Resonanztheorie wunderbar hinein; sie ist universell anwendbar, aus ihr folgt nicht viel, und auch Fachexterne können sie leicht zur Grundlage des nächsten Vorworts machen).

„Lovecraft Annual“

Außerdem kann ich allen, die sich gerne mit H.P. Lovecraft und dem Mythos auseinandersetzen, dringend empfehlen, mal die Archive des „Lovecraft Annual“ zu durchstöbern.

Einige Fundstücke, die ich diese Woche (auch mit Bezug auf eine Wiederbeschäftigung mit den „Weird Harmonies“) durchgesehen habe:

Es juckt mich nun doch in den Fingern, der MA noch einen Anhang „Theorieanwendung am Beispiel des (Cosmic) Horror“ beizustellen … mal sehen.

„Artificial Communication“: Wie sind Computer an Kommunikation beteiligt?

Außerdem habe ich mit Elena Espositos kurzem (und teils trotzdem etwas redundantem) Büchlein „Artificial Communication“ angefangen, und ich lese auch in der „Gesellschaft der Gesellschaft“ herum auf der Suche nach Aussagen zum Computer. Dazu passend habe ich „‚Hello World‘ – Systemtheoretische Überlegungen zu einer Soziologie des Algorithmus“ von Harth und Lorenz noch einmal gelesen, einen Aufsatz, der diese Spurensuche auf Fuchs und Baecker ausweitet. Dabei tritt dann immer wieder die „anthropozentrische Last der Systemtheorie“ zu Tage, die (glaube ich) verhindert, dass sich der systemtheoretische Kommunikationsbegriff sinnvoll auf Algorithmen und Models anwenden lässt. Das ist sozusagen das Kontrastprogramm zum obigen Jacobin-Thema „Künstliche Intelligenz“.


Beitragsbild: Main-Donau-Kanal. Kein Bezug zu den Themen dieses Artikels. Vielleicht ein loser Bezug zum Fußballseminar, weil sich Nürnberger Ultras auf der Brücke verewigt haben.

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WS24/13: Leere ICs, Streikbruch, 30 Coins und „Triggerpunkte“ https://dennisschmolk.de/2024/01/25/ws24-13-leere-ics-streikbruch-30-coins-und-triggerpunkte/ https://dennisschmolk.de/2024/01/25/ws24-13-leere-ics-streikbruch-30-coins-und-triggerpunkte/#respond Thu, 25 Jan 2024 15:27:16 +0000 https://dennisschmolk.de/?p=5615 Der Schnellere kann zwischendurch etwas anderes tun. (Luhmann, Soziale Systeme, S. 76) Der IC Jena/Nürnberg bzw. Nürnberg/Jena ist jedes Mal leer. Also nicht nur „angenehm unterbesetzt“. Sondern wirklich leer. Ich war jetzt schon mehrfach der einzige Fahrgast im Großraumbereich. Das ist natürlich herrlich — man kriegt immer mindestens 32 Sitze für sich allein. Aber es deutet nicht auf ausreichende Nachfrage hin, dass der Zug dauerhaft im Programm bleibt … Außerdem ... Mehr

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Der Schnellere kann zwischendurch etwas anderes tun.
(Luhmann, Soziale Systeme, S. 76)

Der IC Jena/Nürnberg bzw. Nürnberg/Jena ist jedes Mal leer. Also nicht nur „angenehm unterbesetzt“. Sondern wirklich leer. Ich war jetzt schon mehrfach der einzige Fahrgast im Großraumbereich. Das ist natürlich herrlich — man kriegt immer mindestens 32 Sitze für sich allein. Aber es deutet nicht auf ausreichende Nachfrage hin, dass der Zug dauerhaft im Programm bleibt … Außerdem bleibt einem auch hier nicht erspart, dass es etwas länger dauert. Durchsage vor Lichtenfels: „Wir verabschieden uns und entschuldigen uns für die standesgemäße Verspätung.“

Mal sehen, wie das mit der Bahn überhaupt weitergeht. Aktuell stolpern wir ja von Streik zu Streik ohne Aussicht auf Besserung. Ich bin sehr froh, wenn mich das nicht mehr so massiv betrifft wie jetzt: Um am Wochenende in Nürnberg zu sein, fuhr ich schon Donnerstag. Der IC Nürnberg/Jena fällt dem Streik zum Opfer; der RE sah mir sehr überfüllt aus, und man hätte wieder in Saalfeld umsteigen müssen; also fuhr ich via Erfurt. Leider gibt es da nur 3 Züge am Tag: 10.30, 14.30 und 18.30. Das aber immerhin pünktlich: Wenn die Schiene leer ist, kommt man auch mal 3 Minuten früher in Nürnberg an.

Uni

Uni gab es natürlich auch:

S&G: Jessop/Sum und der erste Essay

Das Seminar fand dann (leider) online statt — mit Ankündigung 28 Stunden vorher … das reichte freilich nicht mehr für eine Planänderung, zumal ich schon in Jena multipel verabredet war. Ergo zoomte ich dann aus dem Seminarraum; wir waren drei Teilnehmys und ein Dozent. In der Sitzung ging es um Jessop und Sums Vorschlag, Diskursanalyse und eine Kritik Politischer Ökonomie zu vereinen. Am „anschlussfähigsten“ fand ich die Bezüge zu Luhmann; da werde ich nochmal reingucken.

Außerdem habe ich den ersten von zwei Essays geschrieben: „Sprache: Negation und Utopie. Zu Möglichkeitsbedingungen der Kritik in Niklas Luhmanns Sprachkonzeption“. Meine Grundidee:

Dieser Essay stellt die Frage, was Kritik mindestens bedeuten muss und in welcher Weise Sprache in der Konzeption Niklas Luhmanns bereits inhärent ein Werkzeug der Kritik ist. Dabei werden zwei zentrale Kriterien für kritische Positionierungen herausgearbeitet: das Negationspotenzial – Sprache kann „Ja“ und „Nein“ sagen und führt beide Fassungen stets mit – und die Sagbarkeit von etwas, was noch nie gesagt wurde und was nicht wahrnehmbar ist. Sprache ist damit in diesem Sinne inhärent kritisch.

In der letzten Sitzung (6.2.) gibt es dazu Feedback, und dann modele ich das zu einer Prüfungsleistung um.

Fußball

Zwei Zitate aus Simon Critchley, „What We Think About When We Think About Football“:

If there is a sacral dimension to football, then I would rather see it in the very ordinariness of the game and indeed its unquestionable stupidity. Linking football as much as I do […] is pretty stupid.

Despite the cynicism, corruption and chronic capitalism of the game, to be a football fan requires a belief in fairies, a stupidity and a certain utopianism

K&Ü: Geistiges Eigentum, Copyright und Co.

Seit es begehrte und reproduzierbare geistige Güter gibt, gibt es illegale Kopien. „Illegal“ sind sie, weil es eine „Legalisierung“ von Eigentum an (quasi) frei kopierbaren Gütern gibt. Wenn man das nun als „künstliche Verknappung“ kritisiert, legitimiert man damit indirekt die bürgerliche Ökonomie, weil man ihr zugesteht, dass es sozusagen „natürlich“ knappe Güter gibt. Aber: „Bürgerliches Eigentum ist die Erzeugung künstlicher Knappheit“, so Sabine Nuss, unter der Prämisse der „unendlichen Bedürfnisse“ auf der Nachfrageseite. In Wirklichkeit ist das einzige „unendliche“ Bedürfnis: das des Kapitals nach Vermehrung.

Zur Produktionsseite und den Legitimationsproblemen von Copyright-Apologetys schreibt Mark Lemley (Abstract):

Efforts to use IP to lock down the Internet have so far failed to stem the unauthorized distribution of content. But contrary to the predictions of IP theory, the result of that failure has not been a decline in creativity. To the contrary, creativity is flourishing on the Internet as never before despite the absence of effective IP enforcement. That is a problem for IP theory[.] (PDF)

Sehr (technik-)optimistisch. Multi-purpose-Roboter und 3D-Drucker werden dafür sorgen, dass wir quasi nichts mehr kaufen müssen. Und: Menschen kreieren gerne, Menschen bezahlen auch gerne für sympathische Inhalte sympathischer Künstlys. Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Es würde bedeuten: Das bürgerliche Genie ist am Ende; „Kunst“ wird zum Hobby (mit ein paar Ausnahmen wie im Sport), über Kickstarter holt man sich die Produktionskosten rein. Am anderen Ende der Fahnenstange finden wir dann sehr teure Blockbuster, die sich aus Product Placement und Mech finanzieren …?

Masterarbeiten

Donnerstag und Freitag wurde eine ganze Reihe von Masterarbeitsthemen vorgestellt. Leider ohne mich; aber ich wollte nicht neben dem Streik- auch noch dem Wochenendverkehr zum Opfer fallen.

Mau et. al.: „Triggerpunkte“

Ist unsere Gesellschaft „polarisiert“, und polarisierter als früher? Darum geht es, mit sehr starkem Emotionsbezug, im relativ neuen Buch „Triggerpunkte“ von Lux/Mau/Westhauser. Der Emotions- bzw. Affektbegriff scheint mir noch etwas zu haken, er ist relativ „hydraulisch“ und irrational. Stark verkürzt: Menschen werden durch Ansprache ihrer Affekte (statt ihrer Gedanken) in Denk- und Wahlpräferenzen gezogen; und wenn dann genug emotionaler Druck da ist, bricht sich das Bahn.

Das mindert nicht die empirische Leistung, politische Verortungen anhand von Emotionen zu erforschen; aber es bleibt hinter dem zurück, was man über Gefühle wissen kann (etwa: Gemeinschaftsbildung und individuelle Distinktion als doppelte Funktion). Und es bleibt praktisch etwas unbefriedigend, denn was will man daraus folgern? (Im ausblickenden Schlusskapitel spielen die Gefühle dann auch keine Rolle mehr.)

Daher: eine Empfehlung wegen der spannenden Empirie, aber bei der Theorie sollte man etwas aufpassen. Wer sich nicht durch die 500+ Seiten wälzen will, kann

30 Coins / 30 Monedas

Die zweite Staffel ist inzwischen gelaufen, und zwischen den Jahren hatte ich sogar Zeit für ein paar Folgen. Pulp, ein bisschen Gore, viel Witz („Apocalypse for Dummies“!) und ein katholisch-apokalyptischer Plot, der das alles mehr oder weniger konsistent zusammenhält.

Mein Highlight: Die beiden Nut-Jobs in ihrem Windrad, auf dessen Innenseite

  • wissenschaftliche (Gödel, Hameroff, Bohr),
  • okkulte (Frazer, Bilder von Crowley und Blavatsky),
  • ufologisch-konspiratorische (Däniken, Haunebu, Vril, Sebottendorf) und
  • Mythos-Begriffe („strange eons“, „Celephais“ und sogar „Hastur“) geschmiert sind.

Die Lovecraft-Bezüge gehen übrigens weiter (Episode 2 heißt „Dreamlands“, 4 „The Black Book of the Mad Arab“), aber ich will nicht spoilern. Nur so viel: Solltet ihr demnächst eine Kampagne leiten, in der Leute die Orne Library besuchen, gibt es in Episode 4 ein paar schöne Impressionen … man muss nur über einige Plot-Blödigkeiten hinwegsehen.

Und das hier hab ich noch:

Fächeranteil in Jena

Zum Spaß habe ich mal ausgerechnet, wie stark die einzelnen Fakultäten in Jena aufgestellt sind. (Quelle)

In aufsteigender Sortierung:

Bereich Studys Anteil
Theologische Fakultät 103 0,6 %
Physikalisch-Astronomische Fakultät 877 5,0 %
Fakultät für Mathematik und Informatik 930 5,3 %
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät 1.281 7,3 %
Rechtswissenschaftliche Fakultät 1.313 7,5 %
Chemisch-Geowissenschaftliche Fakultät 1.386 7,9 %
Fakultät für Biowissenschaften 1.988 11,3 %
Medizinische Fakultät 2.689 15,3 %
Philosophische Fakultät 3.232 18,4 %
Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften 3.740 21,3 %

Aus dem Uni-Alltag hätte ich Naturwissenschaften und Technik als weniger präsent eingestuft, aber das sind ja doch 30%. Ich hatte gedacht, diese Fächer sind eher an der Ernst Abbe Hochschule (ehemals „Fachhochschule Jena“) verortet.

Zum Vergleich: In Erlangen studieren etwa doppelt so viele Menschen wie in Jena: Dort sind es knapp 40.000, in Jena mit FSU (17.500) und EAH (4400) knapp 22.000.

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WS24/12: Was kommt in die Master-Arbeit? https://dennisschmolk.de/2024/01/18/ws24-12-was-kommt-in-die-master-arbeit/ https://dennisschmolk.de/2024/01/18/ws24-12-was-kommt-in-die-master-arbeit/#respond Thu, 18 Jan 2024 16:23:16 +0000 https://dennisschmolk.de/?p=5595 Ich muss gestehen, dass ich nach Covid und der Weihnachtspause irgendwie noch nicht wieder so ganz an der Uni angekommen bin. Das liegt vielleicht auch daran, dass das Studium ja ziemlich bald vorbei ist und die Tage gezählt sind: Je Veranstaltung kommen noch 3 Sitzungen, und das war’s dann. Vielleicht suche ich mir für kommendes Semester noch 1-2 Blockseminare raus, wenn es etwas Interessantes gibt. Aber meine „Scheine“, wie man ... Mehr

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Ich muss gestehen, dass ich nach Covid und der Weihnachtspause irgendwie noch nicht wieder so ganz an der Uni angekommen bin. Das liegt vielleicht auch daran, dass das Studium ja ziemlich bald vorbei ist und die Tage gezählt sind: Je Veranstaltung kommen noch 3 Sitzungen, und das war’s dann. Vielleicht suche ich mir für kommendes Semester noch 1-2 Blockseminare raus, wenn es etwas Interessantes gibt. Aber meine „Scheine“, wie man das früher nannte, habe ich bald beisammen.

Uni

Umso mehr Zeit bleibt für die Master-Arbeit, und heute gibt es auch mal wieder was zu den Inhalten.

MA-Inhalte

Der Rohentwurf der MA ist so langsam ausreichend weit gediehen, dass klar ist, was reinkommt und was nicht. Das mag sich noch ändern (ich habe ja noch fast 3,5 Monate Zeit), aber bislang würde ich die Arbeit so anteasern („Abstract“):

Gefühle werden für gewöhnlich in den Psychen von Individuen verortet, in manchen Fällen auch in deren Körpern bzw. Gehirnen. Diese Arbeit schlägt einen Perspektivwechsel vor: Gefühle sollten als primär soziale Sachverhalte analysiert werden, um zu einer Einschätzung ihrer kommunikativen, historischen und sozialstrukturellen Bedeutung zu kommen. Dazu wird zunächst anhand der Medium-Form-Unterscheidung in der Fassung Niklas Luhmanns eine Medientheorie der Gefühle entwickelt. Dieses Medium wird verortet als „symbiotisches Medium der Sprache“, wodurch die erregungsverarbeitende organische mit der sinn- und sprachverarbeitenden psychischen und sozialen Ebene verbunden wird.

Als Leistungen des Mediums für die Kommunikation werden vor allem a) die absichernde Gewinnung von unhinterfragbaren Freiheitsgraden, b) die Aushandlung von Individualität und Vergemeinschaftung („Emotional Communities“ und Distinktion) sowie c) die Stützung individueller Identitäten ausgemacht. Eine anhand der Sozialstruktur (Gesellschaft, Interaktion, Organisation, Funktionssysteme) gegliederte Analyse historischer und gegenwärtiger Beispiele soll den Begriff erproben. Dabei steht auch die Frage im Fokus, ob sich durch die postulierte Änderung der Sozialstruktur hin zu einer „Netzwerkgesellschaft“ die Rolle der Emotionen verändert und welche Auswirkungen dies haben kann.

Schlagwörter: Gefühlstheorie, Emotionsgeschichte, Emotionssoziologie, Medium-Form-Differenz, Netzwerkgesellschaft, symbiotische Mechanismen, Systemtheorie

Wer Interesse hat, in der nächsten Zeit Feedback zu einem Entwurf zu geben, möge sich bitte melden! Zum theoretischen Handwerkszeug gehört die Medium-Form-Unterscheidung, die ich letzte Woche hier anhand eines Schneespaziergangs und einer Klaviersonate versucht habe, zu illustrieren.

S&G: Kritische Diskursanalyse (Norman Fairclough)

Wir lasen Norman Fairclough, „Critical Discourse Analysis“. Das ist eine Methode (?), mit der sich Diskurse kritisch analysieren lassen. Duh. Ich kann mich allerdings nicht entscheiden, ob ich das nun trivial finde (a la „alles ist Diskurs“, „alles ist Ideologie“). Wovon unterscheiden wir hier den Diskurs? Oder anders: Wie wähle ich aus, welche Diskurse ich mir kritisch angucke, welche nicht? Unterhaltsam kann die „CDA“ aber sein.

Schönes Beispiel: Kundenkarten (Payback und Co., wobei Fairclough von einem rumänischen Luxus-Möbelladen inspiriert wurde). Diese Karten belohnen Treue, aber „seem to construe the relationship between customer and company as rather like that between courtier and monarch – the latter ‘rewards’ the former’s ‘loyalty’, maybe grants ‘privileges’ in reward for loyalty.“ Wenn ich also das nächste Mal gefragt werden, ob ich eine Payback-Karte will, antworte ich: „Nein danke, ich bin kein Untertan, dessen Treue belohnt werden müsste.“

K&Ü: Aaron Sahr

Lektüre: „Das Versprechen des Geldes“. Wiederum ging es um die Codierung von Knappheit. Sahr bezieht sich auf Luhmann, leitet daraus aber einen praxeologischen „Knappheitsbegriff“ her: U-Bahn-Sitze sind „nicht-kontingent“ knapp, und sie formen unsere Praxis (task, project, end) des U-Bahn-Fahrens (Hinsetzen, Bahnfahren, Arbeitsplatz erreichen). Geld dagegen ist „kontingent knapp“, also müsste nicht knapp sein; und mit dem Wegfall der Golddeckung noch mehr. Die Kontingenz dieser Knappheit führt er anhand von Banken aus, die „ex nihilo“ Geld schöpfen können (durch Kreditvergabe).

Das ist interessant, führt aber irgendwie nur wieder auf die Einsicht: Knappheit ist irgendwie relevant fürs Vertrauen ins Medium, nicht für dessen Funktionsweise. Ob ich jetzt dem Medium „an sich“ wegen seiner „Deckung“ oder beteiligten Organisationen (Banken, Staaten) vertraue, ist doch egal, solange es funktioniert. Genau das aber ist nicht garantiert, und kann es nie sein. Es bleibt sich alles paradox.

Promovierendentag

Ich habe, bevor ich mir vor Zugabfahrt noch eine Waffel in der Mensa-„Zwischenversorgung“ gönnte, drei Vorträgen gelauscht.

Pro und Contra Promotion

Der erste: Promovieren Pro/Contra. Leider gab es da kein Jota Neues; wobei, doch. Als Argumente pro Promotion wurde angeführt: „Mit Promotion haben Sie eine hohe Chance, eine Vollzeitstelle zu bekommen, also eine lukrative große Beschäftigung.“ Wenn das die Messlatte ist, sind wir verloren. Erschreckt hat mich auch (mal wieder) das Thema Einstiegsgehälter in den Geisteswissenschaften: 30k mit Bachelor, 40k mit Promotion. Das scheint mir fast schlimmer als vor 10 Jahren …?
Weiterer Pluspunkt einer Promotion: „Weiterqualifikation“ auch in Richtung Zeit- und Projektmanagement. Dem widerspreche ich; ich kenne die verkrachtesten Doktoren …

Übrigens dauert die Promotion in den Sozialwissenschaften im Schnitt 4,6, in den Geisteswissenschaften 5,1 Jahre. Das ist dann quasi ein eigener Lebensabschnitt. Generell ist aber nicht allzu viel erforscht, vor allem nicht zu Abbrüchen und deren Gründen. Der häufigste ist die „Relevanzkrise“ — man ist nicht mehr überzeugt, dass das Thema die Welt oder auch nur die Wissenschaft voranbringt. Ein bisschen neoliberal endete der Vortrag dann damit, dass es selten an „mangelnder Intelligenz“ hapere, sondern an Dingen, die man lernen könne: etwa Selbstdiziplin …

Finanzierung

Der zweite Vortrag war der mit Abstand interessanteste, auch wenn der Dozent einleitete mit „Finanzierung ist nicht mein Spezialthema, aber ich kenne mich hinreichend aus“.

Man kann grob zwischen Stipendium (s. letzte Woche), Anstellung an der Uni (direkt, in Projekten, an Graduiertenkollegs etc.) und „Eigenfinanzierung“ (Jobben, fester Beruf, Familie, Vermögen, …) unterscheiden. In den Sozialwissenschaften kriegen 24% (!) ein Stipendium, 45% arbeiten an der Uni, 39% arbeiten woanders, 34% kriegen private Unterstützung. Es ist also immer eine Mischkalkulation — wobei mich die ganzen Statistiken nicht überzeugt haben, das ist nicht hochauflösend genug. Es gab jedenfalls jede Menge Links und Tipps, wo man sich über welche Formen und Stellen informieren kann.

Open Access

Der dritte Vortrag machte vor allem klar, dass „Wissenschaft“ einen erheblichen Overhead mitbringt: Man muss Open Access publizieren, und das kann richtig Geld kosten. Z.B. 900-8.000 Euro für einen Artikel in einem Journal; und leicht über 10.000 Euro für ein Buch. Bämm. Aber die Thulb hilft.

So ganz verstanden habe ich — obwohl ich das Thema Scientific Publishing schon im Studium hatte — nie, wieso „Open Access“ eigentlich nicht bedeutet, dass der Text offen und ohne Login für jede Person im Internet steht. Das wäre aus meiner Sicht genau die Leistung des Verlags in dem Fall.

Und?

Falls das was mit Promotion bei mir werden sollte, vermutlich als „Freizeitpromotion“. Vielleicht in 10 Jahren als nächstes langes Sabbatical …? Da muss man dann halt auch alle Publikations- und Reisekosten selber tragen und hat weniger Anschluss an die „scientific community“. Aber die anderen Wege scheinen mir alle nicht so recht gangbar …

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Form und Medium bei Luhmann: Ein Schneespaziergang und eine Klaviersonate zur Illustration https://dennisschmolk.de/2024/01/13/form-und-medium-bei-luhmann-ein-schneespaziergang-und-eine-klaviersonate-zur-illustration/ https://dennisschmolk.de/2024/01/13/form-und-medium-bei-luhmann-ein-schneespaziergang-und-eine-klaviersonate-zur-illustration/#comments Sat, 13 Jan 2024 19:37:52 +0000 https://dennisschmolk.de/?p=5561 Die Form-Medium-Theorie, die Niklas Luhmann (inspiriert durch u.a. Fritz Heider und George Spencer Brown) gerne verwendet, bereitet immer wieder gewisse Verständnisprobleme. Ich versuche mich daher hier (auch als Vorarbeit zu einem Kapitel meiner MA) an zwei Beispielen. Alice in the snow Beim Schneespaziergang beobachten wir als Medium — wen überrascht’s — den Schnee, der aus Schneekristallen besteht. Diese Kristalle, die Elemente des Schnees, sind miteinander „gekoppelt“: sie hängen zusammen, aber ... Mehr

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Die Form-Medium-Theorie, die Niklas Luhmann (inspiriert durch u.a. Fritz Heider und George Spencer Brown) gerne verwendet, bereitet immer wieder gewisse Verständnisprobleme. Ich versuche mich daher hier (auch als Vorarbeit zu einem Kapitel meiner MA) an zwei Beispielen.

Alice in the snow

Beim Schneespaziergang beobachten wir als Medium — wen überrascht’s — den Schnee, der aus Schneekristallen besteht. Diese Kristalle, die Elemente des Schnees, sind miteinander „gekoppelt“: sie hängen zusammen, aber nur sehr lose. Sie können leicht verweht oder zusammengepresst werden. Der Schnee besteht, auf einer höher auflösenden Beobachtungsebene, aber wiederum aus Formen: Wassermoleküle haben durch die Kälte bestimmte, feste Kristallstrukturen gebildet. Was jeweils Form, was Medium ist, ist die kontingente Setzung einer Beobachterin.

Alice läuft nun in neuen Wanderstiefeln durch den Schnee und prägt mit jedem Schritt (der Zeit verbraucht!) einen Abdruck ein. Jetzt sind die vorher lose gekoppelten Flocken fest gekoppelt. Je loser das Medium, desto leichter prägt sich ein Abdruck ein: Wäre der Untergrund nicht Schnee, sondern Eis (also sehr fest verbundene Wassermoleküle), dann würde Alice keinen Abdruck hinterlassen. Im Gegenteil: Sie würde rutschen. Das „lose“ Medium liefert einen Halt, den ein „festes“ Medium nicht bietet. Außer, Alice hätte Spikes an den Stiefeln — dann gäbe es wieder Halt, und dann gäbe es auch wieder eingeprägte (aber andere!) Formen.

Das also ist unsere Form: ein Abdruck des Stiefels im Schnee. Der Stiefel(-schritt) unterscheidet den Abdruck vom Schnee-Medium. Dieser Abdruck ist gespeichert, aber relativ temporär: Er wird spätestens mit der Schmelze verschwinden. Oder er wird durch andere Abdrücke überlagert.

Eine Form ist das aber auch für uns als Beobachtende: Wir unterscheiden den Abdruck des Stiefels von anderen (oder fehlenden) Abdrücken; der Stiefel ist in der Form noch präsent, aber sie ist nicht der Stiefel. Der Stiefel ist längst weitergezogen. Trotzdem reicht der Verweis, um den Stiefel- vom Reh-Abdruck unterscheiden zu können. (Jede Form ist eine Unterscheidung mit zwei Seiten, hier: Abdruck und Stiefel, oder genauer: Schnee/Abdruck und Stiefel.) Bemerkenswert ist, dass hier der Schnee nicht mehr interessiert; er ist als Medium völlig unwichtig geworden, sozusagen „unsichtbar“. Betrachtet wird die Form.

Das Medium steht, weil es nun eingedrückt ist, nicht mehr für die Bildung von neuen Formen zur Verfügung: Da ist kein „Schnee“-Medium mehr, sondern der Abdruck. Wenn wir ein bisschen herauszoomen, sehen wir, dass es noch viel mehr Spuren gibt. Nun können wir die Abdrücke, die Alice hinterlassen hat, wierum als lose Elemente begreifen, die wir zur Form „Alice‘ Spur“ koppeln können. Wenn dann noch Bobs und Charlies Spuren und Pfotenabdrücke dazukommen, können wir aus diesen Elementen die Form „Der Weg zur Aussichtsplattform“ bilden etc. Hierbei wird die Prägung nicht mehr von der Operation „Schritt“, sondern von unserer Operation „Beobachtung“ vorgenommen.

Musik: Eine Klaviersonate

Um das Ganze etwas näher an die Abstraktionsebene zu führen, der wir bei Heider, Luhmann und Co. begegnen, kommen wir zum zweiten Beispiel: Musik. Die Form, die wir uns letztlich ansehen wollen, ist eine Klaviersonate mit 3 Sätzen (sagen wir: Allegro, Adagio, Allegretto).

Nun können wir auf verschiedenen Ebenen herleiten, in welches Medium diese Form geprägt ist. Eine Ebene ist materiell: Die Form ist physisch in Tinte auf Papier, als „vereinbarte“ Notenzeichen in einem Notensystem, eingeschrieben — denn vermutlich müssen wir uns eine Partitur ansehen. Andererseits existiert sie aber als Schallwellen in Luft, wenn sie aufgeführt wird.

Davon können wir nun noch eine kompositorische Ebene unterscheiden, und wir beginnen auf einer sehr „niedrigen“ Ebene. Die Sonate ist in C-Dur komponiert. Sie beginnt mit dem Grundton, einem C4. Dieser Ton ist eine Form im Medium der Frequenzen, und nimmt darin eine relativ präzise Stelle ein (etwa 260 Hz). Oder anders gesagt: Das C4 ist nur deshalb eine Form, weil sie von der Form des D4, des C5 usw. unterschieden ist, aber gleichzeitig auf diese verweist.

Die Stelle im Medium der Frequenzen ist kontingent, aber nicht beliebig; man könnte auch (je nach Stimmung) einen anderen Grundton oder eine andere Frequenz wählen, zumal nur das Klavier spielt und sich nicht noch auf andere Instrumente „einstimmen“ muss. Aber man müsste dann alle anderen Formen (Töne) daran ausrichten, um den Zusammenhang zu wahren und die gewünschten Intervalle bilden zu können. (Wir ignorieren, dass der Klavierton auch noch Obertöne produziert und letztlich alle Saiten durch unser C4 angeregt werden.) Analog dazu können wir nun alle anderen Formen (also Töne wie C3, C5; D4; F#6) bilden.

Aus den Formen der Töne bildet sich auf einer anderen Beobachtungsebene nun ein neues Medium: die auf einer Klaviatur zur Verfügung stehenden Töne, die in (je nach Stimmung) klar definierten Beziehungen zueinander stehen. Sie sind lose gekoppelt: Sie sind voneinander abhängig, aber das sagt noch nichts darüber aus, welche Tonfolgen sich verwenden lassen.

Dieses Medium aus 88 Tönen ist das gesamte Tonmaterial, das unserer Komponistin Alice zur Verfügung steht. Hierin lassen sich nun spezifische Formen bilden, die als Material besser handhabbar sind: Tonleitern. Wir sortieren also alle C#, D#, Eb usw. aus und bilden die Skala C-Dur (CDEFGAHC). Die anderen Töne verschwinden nicht aus dem generellen Medium des Tonmaterials, im Gegenteil, sie werden vermutlich laufend gebraucht, um Akzente zu setzen, bei Modulationen usw. Aber das wesentliche Material (Medium), das Alice verwendet, kann von Bob als „C-Dur-Skala“ beobachtet werden.

In dieses Medium prägt Alice nun Motive (Formen) ein, die dann als Medium für mehrtaktige Phrasen zur Verfügung stehen. Erst durch Wiederholung wird aus einer beliebigen Tonfolge ein „Motiv“: Formen zeichnen sich durch Wiederholbarkeit und Wiederholung aus; ein einmalig verwendeter chromatischer Übergang ist dann eben keine Form „Motiv“. Jede dieser Formen ist zudem sehr temporär: Sie verklingt sofort wieder. Und: Das Medium gibt die möglichen Formen vor, es ist selektiv; es lässt sich kein Schlagzeugsolo einbauen.

Alice kann jederzeit auf das Medium der Motive oder das Medium der Phrasen zurückgreifen, um Variationen (neue Formen) zu schreiben und die Medien damit zu erweitern; es bildet sich ein neues Medium, das man als „musikalischen Formenvorrat“ der Sonate bezeichnen könnte. Schließlich koppelt sie aus diesem Medium (und unter Einbezug der Tempoangaben, der Aufführungspraxis, dem Können des Pianisten Charly, ihres Geschmacks etc.) feste Sätze. Und diese wiederum bilden eine Sonate. Nur die Sonate kann „gespielt“ werden, nicht das Medium „Musik“ an sich: Dieses Medium ist unsichtbar (auch wenn man eine Tonleiter oder die Motive der „Sonate in C-Dur opus 1“ als Formen spielen kann).

Auch die Gesamtheit der Sonaten Alice‘ oder sogar alle Sätze aus allen Sonaten können zum Medium werden, um etwa die feste Kopplung „Konzertabend“ zu bilden. Bei allen musikalischen Formen gilt aber: Sind sie verklungen, ist die Luft wieder leer, um als Medium für die ungeordneten Frequenzen des Applauses zu dienen.

PS: Diese Beispiele sind sehr allgemein gehalten. Ich verzichte der Kürze zuliebe z.B. darauf, bei der Musik zu thematisieren, dass Zuhörende ein Gedächtnis brauchen, das erst wieder leer werden muss (Auflösung), um neue Formen aufzunehmen etc.


Beitragsbild: Zwätzen im Winter.

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WS24/11: Der letzte lange Jena-Abschnitt, Homöopathie und Stipendien https://dennisschmolk.de/2024/01/12/ws24-11-der-letzte-lange-jena-abschnitt-homoeopathie-und-stipendien/ https://dennisschmolk.de/2024/01/12/ws24-11-der-letzte-lange-jena-abschnitt-homoeopathie-und-stipendien/#comments Fri, 12 Jan 2024 18:05:48 +0000 https://dennisschmolk.de/?p=5528 Die Sprache spielt nur mit sich selbst. Ihre reine Form ist das Schwatzen. […] Wenn man ihren inneren Möglichkeiten gehorcht, und nur so, erzeugt man große Gedanken. (Luhmann, GdG, Bd. II, 994f) Insgesamt fällt es mir nicht besonders schwer, wissenschaftliche Texte zu fabrizieren. Eine der größten Herausforderungen dabei finde ich den Wechsel zwischen „Lesen“ und „Schreiben“. Das ist eigentlich verwunderlich, denn „Lesen“ bedeutet ja auch immer Notieren, Exzerpieren, Zetteln, also: ... Mehr

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Die Sprache spielt nur mit sich selbst. Ihre reine Form ist das Schwatzen. […] Wenn man ihren inneren Möglichkeiten gehorcht, und nur so, erzeugt man große Gedanken. (Luhmann, GdG, Bd. II, 994f)

Insgesamt fällt es mir nicht besonders schwer, wissenschaftliche Texte zu fabrizieren. Eine der größten Herausforderungen dabei finde ich den Wechsel zwischen „Lesen“ und „Schreiben“. Das ist eigentlich verwunderlich, denn „Lesen“ bedeutet ja auch immer Notieren, Exzerpieren, Zetteln, also: Schreiben.

Über den Jahreswechsel habe ich einen ersten Rohentwurf der Masterarbeit geschrieben (zu lang, noch falsche Schwerpunkte und es fehlt noch was). So schwierig ich es fand, dafür die Lektüre zu verlassen, so schwer fällt es mir nun, mich wieder aufs Lesen zu konzentrieren. Oder anders: Ein Langtext ist etwas ganz anderes als Zettel.

Homöopathie

Schon länger hat der Bundesgesundheitsminister über diese Einsparung nachgedacht, nun macht er Ernst: Weil Globuli und vergleichbare Mittel nachweislich nicht wirken, sollen die Kassen dafür nicht mehr aufkommen. (SZ)

Es passieren noch Zeichen und Wunder (auch gegen die Wundergläubigkeit). Man muss sich den Satz aber natürlich auf der Zunge zergehen lassen: Es war immer schon klar, dass sie „nachweislich nicht wirken“, aber erst durch Sparzwänge wird mit dem Quatsch aufgehört. Das wiederum sollte aber nicht zum Wunderglauben an die ordnende Kraft der Märkte führen, denn ökonomisch ist der Schritt irrelevant: „Für Homöopathie geben die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr nicht mehr als zehn Millionen Euro aus – ein verschwindend geringer Posten angesichts von Gesamtausgaben von knapp 300 Milliarden Euro.“ Vielleicht geht es eher um eine Mentalitätspolitik, die nach den „Schwurbeleien“ der letzten Jahre wieder verstärkt auf medizinische Evidenz führen soll, auch wenn die ökonomische Evidenz fehlt …? Wir leben in interessanten Zeiten.

Sabbatical-Logistik: Die Präsenzzeit endet bald!

Die Tage sind gezählt: Mit diesem Semester endet ja die Präsenzzeit in Jena, und dieses Semester endet in 4 Wochen. Danach muss dann die MA fertig werden. Aber das geht auch von Nürnberg aus.

Ende der Unterkunft in Zwätzen

Ende Februar endet auch mein Mietvertrag in Zwätzen. Dann muss ich noch all meine Kleinigkeiten (von Kleidung bis Monitor, aber zum Glück keine Möbel) heimbringen. Ich werde Jena auch danach noch besuchen, aber dann per Ferienwohnung o.ä. — und damit auch zentraler als Zwätzen.

Jetzt steht der letzte längere Zeitraum dort an: Dienstag, 9.1. bis einschl. Do, 18.1. Insgesamt hat sich dieses Semester nicht so richtig gelohnt, von 10 Wochen war ich 4 krank. Und nur ein Mal, bisher, übers Wochenende hier.

Traurig?

Ich würde sagen, ein lachendes und ein weinendes Auge. Ich werde den zweiten Wohnsitz und die Erlebnisse in Jena vermissen, und vor allem die Zwätzener Hügel (siehe Beitragsbild).

Aber allmählich ist es auch gut, wieder etwas weniger Geld auszugeben. Und das Pendeln fängt an, zu nerven. Selbst, wenn alles immer klappen würde, fände ich das Pendeln langsam anstrengend. Klappen tut es aber ja nicht so richtig …

GdL-Streik und Bauernaufstände

Nur, wenn was nicht funktioniert, wird einem klar, wovon man eigentlich abhängig ist. Ich bin mit diesem temporären Lebensentwurf sehr abhängig von der Bahn. Das torpediert bzw. gefährdet so ein GdL-Streik.

Zum Glück hat ein Treffen des „Deutschen Beamtenbundes“ den Streik hinreichen aufgeschoben, nämlich auf Mittwoch, dass die geplante Fahrt am Dienstag klappte. Da ich diese Woche auch eine Seminarleistung erbringen muss (s.u.), ist es schon relevant, ob ich es nach Thüringen schaffe. Außerdem habe ich Begleitung. Nach dieser Woche fände ich es zwar sehr schade, etwas zu verpassen — gerade da, wo nicht so viele Leute kommen, ist das auch ein Gewissensproblem –, aber nicht tragisch. Wir werden sehen.

Die „Bauernproteste“ waren in Zwätzen gut sichtbar. Jedenfalls scheint die Blockade der Straßen mit schweren Maschinen eine wirksamere Protestform zu sein als mit dem eigenen, wenn auch angeklebten Körper. Thomas Müntzers Bauern hatten zwar Wagenburgen, aber sonst wohl nicht viel. Die waren also eher wie die „letzte Generation“, wenn auch nominell nicht gewaltfrei. (Praktisch aber wohl doch, denn offenbar ließen sie sich ja in der Schlacht bei Frankenhausen einfach niedermachen.) Das ist bei den heutigen Bauernaufständen anders. Traktoren wiegen mehr als Dreschflegel.

Uni

Der wesentliche Anlass, mich jetzt anderthalb Wochen in Jena aufzuhalten, ist natürlich nicht das Wandern oder der Besuch von Kino, Mensa und Museen, sondern: studieren.

MA-Formalia: Obsidian, LaTeX, Zeit und Länge

Ich habe ein paar Zeilen über meinen MA-Workflow ausgelagert. Hier entlang.

S&G: Bakhtin, Voloshinov und Co.

Die Lektüren für dieses Seminar finde ich meist nicht ganz einfach, weil ich keinen wirklichen Anker in der Sprachphilosophie habe. Immer noch nicht, allen MA-Recherchen zum Trotz.

Diesmal ging es um Mikhail Bakhtin und sein Umfeld in einem Text von David McNally. Da geht es um die Rückeroberung der Sprache durch „Unterdrückte“, Subalterne; etwa im (mittelalterlichen) Karneval und dessen Bearbeitung in einem „grotesque realism“: „a direct and graphic way by bringing everything into contact with the lower stratum of the body — with eating, drinking, defecating, urinating, copulating, and birthing.“ Dieser Bruch mit den Sprachnormen der herrschenden Klassen ist subversiv. Ich frage mich nur: Geht es da vor allem um die Sprache, oder nicht eher um die geschilderten Praktiken …? Wo geht es um Sprache (des Volkes), wo um „Kultur“; wo um Literatur- und wo um Sprachkritik? Wovon unterscheiden wir hier „Sprache“ überhaupt?

In der Sitzung klärten wir einige Begriffe — und langsam, ganz langsam schält sich ein bisschen was zum thematischen Kern raus: Gibt es „Eigenschaften“ „der“ „Sprache“, die kritisches Potenzial stützen? Für meinen Essay gehe ich der Idee nach, dass (nach Luhmann) Sprache die Negationsfähigkeit in die Welt bringt; man kann verneinen, ablehnen, das Gegenteil sagen. Und das scheint mir doch die Bedingung für Kritik zu sein.

Fußball: Sozialkapital?

Eine altgediente These lautet: „Vergemeinschaftung führt zu Sozialkapital, das Individuen dann insgesamt stärker, auch politisch und zivilgesellschaftlich, involviert“. Das scheint zumindest bei Fußballfans nicht zu stimmen; Fußball führt laut einem Text von Mike Schäfer und Jochen Roose nicht zu mehr Involviertheit.

K&Ü: Luhmann-Protokoll!

Eine zweite Sitzung zu „Die Wirtschaft der Gesellschaft“, Kapitel 6: „Knappheit“ — und ich durfte protokollieren.

Die Einordnung des Arbeits-Begriffs fanden wir relativ unisono nicht ganz befriedigend, und mir fiel auf, dass der symbiotische Mechanismus der Bedürfnisse bzw. des Konsums nicht vorkommt. Nach einer kursorischen Suche im ganzen Buch glaube ich, dass er schlicht nicht behandelt wird. Irgendwo habe ich gelesen (aber nicht verzettelt), dass das Buch ein Schnellschuss war, damit Luhmann noch vor dem Erscheinen von Dirk Baeckers Dissertation (zu „Information und Risiko in der Marktwirtschaft“) damit herauskommen konnte. Würde zeitlich passen, beide Arbeiten erschienen 1988 bei Suhrkamp.

Hier abschließend ein hübscher Kerngedanken zur Arbeit: Arbeit transformiert Sklaverei in Freiheit. Aus „nur die Sklaven müssen arbeiten“ wird „jede(r) muss arbeiten“, und zudem muss jede(r) diese seine bzw. ihre Arbeit verkaufen — und daher Händler(in) werden. Das sorgt für die gesellschaftsweite Verbreitung von Händler-Eigenschaften wie „Friedlichkeit, Ehrlichkeit, zumindest Angewiesenheit auf guten Ruf, Sorgfalt, Genauigkeit usw.“ Also sind nun alle frei, Arbeitstiere zu sein.

Workshop „Promotionsstipendien“

Irgendwann promovieren wäre schon cool. Vielleicht wieder als Sabbatical in einigen Jahren. Denn von einer „klassischen“ akademischen Karriere mit all den Abhängigkeiten, merkwürdigen Beschäftigungsverhältnissen und der Gebundenheit an Präsenz fühle ich mich eher abgeschreckt.

Da bleibt dann aber die Frage, wie man ein (langes) Sabbatical bzw. eine Teilzeitpromotion finanziert. Mehrere Jahre nur einen Bruchteil des Normalen zu verdienen, würde eine Gehaltssteigerung erfordern, die ich nicht für realistisch halte. Also wäre meine grobe Idee: Teilzeit arbeiten und das Promovieren per Stipendium finanzieren; man stückelt sich ein solides Gehalt zusammen. Daher war ich bei einem Workshop zum Thema „Stipendien“ — vom Überblick über diese Finanzierungsform bis hin zum „Bewerbungstraining“.

Erkenntnisse

Erste Erkenntnis: Die meisten Stipendien großer Stiftungen (Parteien, Religionsgemeinschaften, Studienstiftung), die den Lebensunterhalt finanzieren, erlauben nur 10 Stunden (25%) „Nebentätigkeit“. Dafür gibt es dann recht viel Geld, s.u., und das steuerfrei (aber auch ohne Beiträge zur Sozialversicherung). Man kann wohl mit den Stiftungen reden, aber das ist die Regel. Also kommt eine Aufstockung eines 50- oder 70%-Gehalts eher nicht in Frage.

Zweite Erkenntnis: Diese Stiftungen sind sehr „wertegebunden“. Man muss also auch eine Ideologie oder Werte teilen. Das kann man auch, wie einige Teilnehmende, sehr unsympathisch finden. Zudem: Man muss diese Werte — ganz wichtig! — qua Engagement nachweisen. So ging es denn auch kurz darum, wie man denn zu „Engagement“ im Lebenslauf kommt. Aber die Faustregel bleibt: Ohne nachvollziehbare „Engagementbiographie“ sollte man sich eher an kleine Stiftungen halten, die man z.B. via e-fellows-Datenbank finden kann. (Da gibt es Perlen wie „Förderung bedürftiger Kinder von Zahn-, Tier- und Allgemeinärzten“.)

Dritte Erkenntnis: Das ist alles gesetzlich oder qua „AGB“ relativ klar geregelt. Deutschland will möglichst viele Promovierte, und daher werden Leute auch jeweils nur einmal gefördert. Also kann man nicht „Stipendien aneinanderstückeln“. Und man kann nicht zwei parallele (Lebenshaltungs-)Stipendien großer Stiftungen haben.

Vierte Erkenntnis, aber eigentlich klar: Man muss sich verkaufen. Die großen Stiftungen erwarten eine sehr persönliche (und „authentische“) Bewerbung, die einen positiven Ausblick liefert. Nihilismus dürfte eher kein Wert sein, den man betonen sollte. Das Ganze ist eine Bewerbung — nur dass man nicht so sehr eine Arbeitsfähigkeit, sondern eine Persönlichkeit verkauft. Aber es geht durchaus um viel Geld — bei den großen Stiftungen gibt es bis zu 3 Jahre lang 1500–1700 Euro pro Monat. D.h., da geht es um 60.000 Euro. Dafür kann man ein bisschen arbeiten.

Und die Atheisten?

Fünfte Erkenntnis: Es gibt keine volle atheistisch-agnostische Stiftung im Sinne „staatlich anerkannter und geförderter Begabtenförderungswerke“. HVD und GBS haben zwar die „Bertha von Suttner“-Stiftung, die aber kein „Begabtenförderungswerk“ ist: „Zugelassen sind Studierende aller Fachbereiche, Studienanfänger*innen wie Promovierende. Da das Bertha von Suttner-Studienwerk im Unterschied zu den religiös ausgerichteten Förderwerken noch keine staatliche Finanzierung erhält, können Promovierende und Studierende derzeit nur mit einem Förderbetrag von 300 Euro im Monat unterstützt werden.“ (Quelle)

Das könnte doch mal eine Lebensaufgabe sein: vollwertige Stipendien für Nichtreligiöse. Nachdem wir Homöopathie nicht mehr fördern, könnten wir mit restlichem Gespensterglauben ja auch mal aufhören. Wenigstens strukturell.

Fazit

Ein sehr guter Workshop mit Teilnehmys, die alle hochmotiviert und interessiert waren. Nach diesem Workshop weiß man, was man für eine Stipendienbewerbung wissen muss. Oder anders: Wer sich für ein Stipendium interessiert, sollte so einen Workshop besuchen.

Insgesamt sehe ich das Stiftungswesen danach eher kritisch. Ob nicht etwa die Anforderung „Engagement“ (das man sich ja auch leisten können muss) zur Reproduktion sozialer Ungleichheit führt? … und ob nicht vor allem Engagement geleistet wird, um es sich in Stipendien wieder auszahlen zu lassen? … und ob darüber nicht auch immer wieder kostenlose Arbeitskräfte für NGOs gewonnen werden, die eigentlich Unternehmen sind (oder Sekten)? Andererseits ist es für die gesellschaftliche Funktion ja vielleicht egal, welche Motivation für Engagement vorliegt.

Ich sehe mich jedenfalls noch nach anderen möglichen Förderungen um.

PS: Wusstet ihr, dass Host Mahler, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin zu den „Studienstiftungs“-Stipendiatys gehörten? Daraus hat man aber scheint’s gelernt, spätere Terroristen mussten sich selber finanzieren.


Beitragsbild: Zwätzen im Winter.

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Meine MA ist seit 15.12. angemeldet und die Zeit läuft. Ich muss sie Ende April abgeben, in 3 gedruckten und 2 digitalen Versionen (auf physischen Trägern). Lustig. Ich plane eine Ringbindung, daher habe ich auf die LaTeX-Klasse scrbook gewechselt. Irgendwann muss ich mal einen Probedruck machen, wenn ich einen soliden Entwurf habe.

Wie viel Zeit wandert da rein?

Offiziell bringt das Modul der Masterarbeit 30 ECTS. Ein ECTS entspricht nominell einem „Workload“ von 30 Stunden, wir landen also bei 900 Stunden insgesamt. Wenn ich das auf 40-Stunden-Wochen umrechne, lande ich bei 22,5 Wochen Arbeit — das sind 5,3 Monate. Bei einer 32-Stunden-Woche kann man es gar nicht in 6 Monaten schaffen. Das illustriert vielleicht schon den „Richtwert-Charakter“ der Punkte.

Ich kann leider nicht genau sagen, wie viel Zeit ich für die Arbeit aufwende; ich erfasse das nicht. Meine Lektüren beziehen sich teils auch auf eine noch entstehende Hausarbeit, außerdem würde ich die Aufsätze und Bücher ja ggf. auch in meiner „Freizeit“ lesen. Es gibt aber definitiv Tage, an denen ich mehr als 8 Stunden sichte, exzerpiere, konzipiere, zettele, schreibe. Und Tage, an denen ich gar nichts dafür tue. Wie bei vielen Aspekten des Studiums gilt: Es macht so viel Arbeit, wie man sich machen will, aber ich glaube nicht, dass man so eine Arbeit in zwei Wochen schreiben kann.

Wie lang soll das werden?

Die Prüfungsordnung sagt: „MA-GT ca. 60 Seiten (120.000 Zeichen); 1,5-facher Zeilenabstand“. Ich orientiere mich an den Zeichen, denn die zählt Obsidian ja mit. Da stecken dann noch LaTeX-Formatierungszeichen drin, dafür sind die bibliographischen Nachweise etwas länger als der BibKey. Wird also ungefähr stimmen. 2.000 Zeichen je Seite ist etwas mehr als eine „Normseite“. Normseiten (1.500 Zeichen laut VG Wort, 1800 laut reiner Mathematik, jeweils inkl. Leerzeichen) sind so ein Ding für sich … Daher ist die Zeichenzählung m.E. generell sinnvoller als Seitenzählung.

In meiner LaTeX-Vorlage fasst eine reine Textseite etwa 2.100 Zeichen. Die meisten Seiten werden allerdings Fußnoten (tendenziell mehr Zeichen je Seite), Überschriften (weniger Zeichen je Seite) usw. enthalten. Ich vermute aus Erfahrung, dass ich 10–20% mehr Text produzieren werde, als vorgegeben, also eher 130.000–145.000 Zeichen. Das müsste ich irgendwann noch abklären.

Workflow: Masterarbeit in Obsidian

Im Wesentlichen verschiebe ich in meinem Zettelkasten (Obsidian) Content hin und her. In einer Master-Notiz habe ich alle wesentlichen Zettel verlinkt und knappe Gedanken (etwa zu Übergängen oder „Undurchdachtem“) festgehalten. Für das eigentliche Schreiben verteile ich sie nochmal kapitelweise auf Master-Zettel und lege sie in einem Split-Screen immer links und rechts hin, sodass sich Inhalte komfortabel verschieben lassen. (Dadurch landet erstmal sehr viel in den „späteren“ Kapiteln.)

Das lässt sich auch als „Workspace“ speichern, sodass man immer wieder in die Ansicht zurückkommt, wenn man den Vault mal für etwas anderes genutzt hat:

 

Jetzt überlege ich mir jeweils eine Struktur fürs eigentliche Kapitel überlegt, clustere die Kapitel-Masternotiz grob danach fange dann an, das im Entwurfsdokument jeweils in Sätze zu gießen. Dabei muss man natürlich immer noch etwas hin- und herschaufeln, aber bei ca. 60 Seiten Umfang geht das noch ganz gut. Für ein längeres Dokument (Diss!) müsste ich mir aber nochmal eine Zwischen-Struktur überlegen.

Ich schreibe eigentlich schon LaTeX, wobei ich meistens noch den BibKey aus dem BibTex-Plugin für Obsidian nutze. D.h., da steht dann „\cite[123]{[[@CooleQuelle2024]]}“, weil es zum Lektürezettel linkt. Am Ende wird per Suchen und Ersetzen dann aus „{[[@“ ein „{„, aus „]]}“ ein „}“.

Den Entwurf kann man dann, ohne die spätere LaTeX-Formatierung, auch als PDF exportieren. Ob ich noch viel Zeit reinstecke, mir den „Export“ nach LaTeX zu erleichtern, weiß ich nicht; ggf. kopiere ich das einfach \section für \section in TeXMaker und formatiere grob nach, wenn das Dokument steht.

Erste Learnings

  • Schreibe erst den Hauptteil! Ich habe nun mit einer umfangreichen Hinführung begonnen — eine Strukturierung von Emotionsdiskursen nach deren zugrundeliegenden Unterscheidungen, etwa „adäquat/inadäquat“, „Empfindung/Ausdruck“ etc.
  • Schreibe immer Seitenzahlen dazu. Sonst muss man immer zur Literatur zurückkehren, auch wenn man den Inhalt im Kasten erfasst hatte. Captain Obvious.
  • Wenn es keine Seitenzahlen gibt (Websites) sollte „o.S.“ oder so etwas hin, sonst sucht man am Ende immer irgendwo, was man sich sparen könnte.
  • Mehr Zitate in den Kasten! Selbst, wenn man den Gedanken gut wiedergegeben hat, macht einen das Zitat, auf das man sich bezieht, flexibler. In digitaler Literatur ohne Seitenzahlen findet man die Stelle so auch per Suchfunktion wieder.

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