Das Spinnennetz der Medina von Fes: 2025 travels (Part 2)

In dieser vierteiligen Serie geht es um eine Reise im September 2025. Part 1: Casablanca; Part 2: Fes; Part 3: Tangier; Part 4: Barcelona.

Hustlers of the world, there is one Mark you cannot beat: The Mark Inside. (William Burroughs)

Normalweise fände ich 4h Zugreise beschwerlich, aber hier ist sie spannend. Das liegt glaube ich vor allem am Urlaubsgefühl. Die zweite Unterkunft lag etwas „außerhalb“, sofern man „außerhalb“ mit „20 Autominuten vom Bahnhof entfernt“ verstehen will. Ganz klar wurde mir der Aufbau marokkanischer Städte bis zuletzt nicht.

Das wichtigste: Es gab eine Klimaanlage, denn auch, wenn wir Glück mit dem Wetter und nur ca. 37 Grad hatten, ist es im Landesinneren einfach zu heiß für unklimatisiertes Wohnen. Außerdem wies ein Pfeil nach Mekka:

Und die Steckdosen waren spannend arrangiert:

In der Umgebung gab es viele lokale, kleine Sußermärkte und Kioske sowie – ein Novum – diverse Straßenhunde. In Casablanca hatten wir nur Katzen gesehen. Insgesamt fällt in Marokko auf, dass die Städte extrem versiegelt sind; es gibt kaum Grünflächen (vermutlich des knappen Wassers wegen), und auch relativ wenige offene Plätze zum Aufenthalt. Wo es unbebaute Grundstücke gibt, sind das eher vermüllte Brachflächen. Der Rest ist eng und voll.

Grüne Oase: Der Arab League Park

Abends, es war ja immer noch Mawlid, gönnten wir uns traditionellen Couscous mit Rind und 7 Gemüsen und eine sehr leckere Tajine.

Medina

Kein Fes-Besuch ist komplett ohne die Medina, und wir besuchten sie auf eigene Faust. Ein Erlebnis, das ich nicht unbedingt empfehlen würde – meine deutlich erfahrenere Reisebegleitung meinte, das sollte man wohl eher als guided tour machen. Vorher konnte ich mir nicht vorstellen, dass man an einem Ort labyrinthisch in der Irre geht und froh ist, wieder raus zu kommen.

Am Anfang wird man von freundlichen, kaum aufdringlichen Werbern eingelotst. Danach hängt man im Spinnennetz. Will man es verlassen, wird man zurückgeschickt, im Zweifel unter Verweis darauf, dass eine Straße für Ungläubige gesperrt sei. Dabei gibt es hier viele spannende Dinge – vom Ausblick über die Dächer von Fes und den Berber-Gerbern bis hin zur ältesten Universität der Welt. Letztere bringt einem nur leider nicht viel, da man sie nur als Moslem betreten darf.

Ich frage mich, wie viel Selbstbeherrschung, Gassenwissen und Orientieren man braucht, um dem zu entgehen. Erschwerung für Erschöpfung bei 39 Grad Hitze.

Beispielpreise:

  • Taxi zur Medina 2,50 Euro (20 Minuten)
  • Kaffee mit Blick über Medina 2 Euro
  • Berberschuhe mit „Rabatt“ 17 Euro
  • Hinweise, wie man aus der Medina rauskommt, in Wirklichkeit aber zu einem Restaurant führen 8 Euro (verlangt wurden 40 Euro )

Was ich für mich nicht beantworten konnte: ist das nun ein kapitalistisches Labyrinth? Irgendwie nicht. Es scheint mir eher ein Hand-in-den-Mund-System. Aber auch hier kommt man nicht näher ran – es bleibt eine hermetische Welt, die man nur berührt, bzw. die einen berühren will, um einen zu einem „Handel“ zu überreden.

Der Scam ist aber vermutlich nur die Kehrseite einer sehr positiven Beobachtung: durch das generelle und universelle Kommunikationsmedium Geld klappt es, hier zu überleben, auch wenn andere Medien (wie Moral, gemeinsame Religion und sogar Sprache) versagen. Nur „Hospitality“ würde ich das dann nicht nennen, wie es einige Reise-Youtuber tun.

… let’s go to Tanger

Insgesamt Frage ich mich, was die Menschen hier außer Arbeit, Moschee und Café so … tun. Mein wichtigstes Reise-Hobby ist, moderne und zeitgenössische Kunst angucken. Und das ist hier in Marokko offenbar nicht existent. Wenn man „contemporary art fez“ sucht, wird man mit „traditional art“ erschlagen. Also wieder Berberteppiche, Kupfer und Fliesen. Und das verliert vergleichsweise schnell seinen Reiz. Selbst in relativ aktuellen Artikeln über Kunst und Design in Tangier gibt es nur Tote Links und geschlossene locations von „Art spaces“, die sich dann in den Google-Rezensionen als Krimskrams-Läden entpuppen. (Es wird in Tangier dann aber ein bisschen Street art geben.)

Meine Urlaubslektüre war übrigens vor allem Paul Bowles „Sheltering Sky“, wie man den Zitaten im Artikel entnehmen kann. Damit habe ich vor allem die Zugfahrten verbracht und kann den Roman sehr empfehlen, da er das Abenteuergefühl dieses Urlaubs noch gesteigert hat (auch wenn ich keinen Wert auf Typhus oder posttraumatischen Wahnsinn lege). Denn auch, wenn sich das bisher vermutlich eher negativ liest, hat mir der Urlaub als „Mini-Grenzerfahrung“ in einer erstaunlich fremden Welt sehr gut gefallen.

Aber nun erstmal nach Tangier. Also: Petit Taxi zum Bahnhof, für 2,50 inklusive Trinkgeld und einem Umweg über den Busbahnhof für eine andere Fahrgästin. (Hätte man vielleicht auf 1,50 runterhandeln können, aber … Sprachbarriere, und es ist ja auch egal.) Und dann gehts in einem erstaunlich ausgebuchten Zug durch Hügel, am Horizont sind sogar ein paar Berge zu sehen. Ich zähle etwa 12 Pferde, hunderte Schafe, 4 Ziegen und eine Kuh. Mit zehn Minuten Verspätung erreichen wir Tangier.

Weiter geht’s dort.

3 Gedanken zu „Das Spinnennetz der Medina von Fes: 2025 travels (Part 2)“

Schreibe einen Kommentar

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen