Barcelona, Labubu, Enigma: 2025 travels (Part 4)

In dieser vierteiligen Serie geht es um eine Reise im September 2025. Part 1: Casablanca; Part 2: Fes; Part 3: Tangier; Part 4: Barcelona.

Denn, so behauptete er, ein weiterer, wichtiger Unterschied zwischen Touristen und Reisenden sei der, dass ersterer seine Zivilisation akzeptiere, ohne an ihr zu zweifeln. (Paul Bowles, Himmel über der Wüste)

Erste Beobachtungen:

  • Aus Marokko muss man offenbar immer durch den Zoll.
  • Der Flughafen von Barcelona ist sehr weit außerhalb, daher braucht man erstmal ein Shuttle um dann mit „normalem“ ÖPNV voranzukommen.
  • Ansonsten scheint mir die Stadt sehr touristisch geprägt – aber ganz anders als die marokkanischen Städte.
  • Es ist sehr angenehm, sich nicht fragen zu müssen, welchen Zustand die nächste Unterkunft oder das Lokal fürs Abendessen haben wird.

Labubu.

Es gibt schon merkwürdige Phänomene. Bis vor ein paar Wochen wusste ich nicht, was ein Labubu ist. Bis vor ein paar Tagen war mir nicht klar, dass man die in Europa kaufen kann. Und jetzt habe ich einen. Warum? Weil meine Begleiterin in einem Adventskalender-Unboxing – ein mir bis letztes Jahr auch unbekanntes Phänomen – gesehen hatte, dass es in Berlin eine Filiale der Kette gibt, die diese „Plüschtiere“ verkauft. Und dann sah sie nach, ob es einen in Barcelona gibt. Die Antwort darauf könnt ihr euch denken …

Wie kommt man nun zu einem Labubu? Erstmal steht man an, um in den Laden zu kommen. Dann ist man drin und spürt den Hype, weil alle den Hype spüren. Dann will man etwas kaufen, wenn man schon Mal da ist, auch wenn man nicht versteht, was einen da umgibt. Labubus sind keine zu finden. Also sucht man sich irgendwas anderes aus.

Dann steht man 40 Minuten an, um irgend eine komische Plastik-Figur zu kaufen, ohne überhaupt zu wissen, was man kriegt – denn alles sind quasi Lootboxen mit Überraschungsinhalt. Endlich kommt man an die Kasse: und wird plötzlich gefragt, ob man Labubus kaufen wolle. „Only two each per person“ erhöht den Druck. Neben einem telefoniert eine Asiatin mit einer Freundin, um zu fragen, wie viele und welche. Börsenparkett-Flair. Erkenntnis: Deswegen dauert das alles so lange! Der Hype ist real! Also kauft man dann mindestens zwei Plastik-Plüsch-Figuren. Wenn man schon Mal da ist …

Im Hotel dann: Unboxing. Und plötzlich hat man so ein komisches, gruseliges Tierchen. Aber was hat man da überhaupt? Es ist, als hätte jemand eine erfolgreiche Fernsehserie gemacht und dann Actionfiguren aufgelegt, nur dass er sich die Serie gespart hat.

Egal. Ich habe eins und gebe es nicht mehr her. Ich mache es mir vielleicht sogar an eine Tasche. Auch wenn es aussieht wie Käthe Wohlfahrt trifft Tamagotchi.

Was mich letztlich übrigens überzeugt hat, einen Labubu zu wollen, war die folgende Theorie:

Ich nenne meinen nun liebevoll Pazuzu.

Wetter in Barcelona

Am zweiten Tag überrascht uns am Vormittag plötzlich … Regen. Und super weird ist, dass man nirgendwo einen sinnvollen Wetterbericht für die Region findet … Google, AccuWeather und Co. sagten, es sei trocken. Stimmte nicht. Außerdem war schon wieder ein Feiertag, den wir nicht kennen! Nach Mawlid in Casablanca und Fes, erwartet uns hier der Diadad, irgendwie ein Katalanischer Nationalfeiertag. Hatte aber keinen großen Einfluss, außer auf den Verkehr am Abend.

Wir besuchten dann das Museum MACBA und sahen endlich wieder – zeitgenössische Kunst. Mir schien das insgesamt sehr aktivistisch (Umwelt, soziale Bewegungen, Gender/Sex/Sexualität), aber immerhin sah man mal wieder:

Es gab, wie meine Reisebegleitung bemerkte, sogar mehr Penisse als Brüste in diesem Museum zu sehen; das dürfte ziemlich selten sein. Mehr Geschlechtsteile gibt es im „Erotic Museum“ zu sehen, auch wenn das für 15 Euro ein bisschen ein Rip-off ist:

Vielleicht war es mir in Marokko auch einfach zu prüde, da gab es nur das hier:

Abendessen: Enigma

Wichtiges Argument für einen Zwischenstopp in Barcelona war, dass man hier ein paar gute Restaurants findet. Ich wäre ursprünglich lieber ins MAE gegangen, aber dort gibt es leider keine alkoholfreie Menübegleitung, und gerade das reizt mich aus bekannten Gründen ja sehr. Das MAE wäre günstiger gewesen, aber so fiel die Wahl aufs Enigma. Wie mich meine Reiseleitung aufklärte, ein Lokal des legendären spanischen Chefs Albert Adrià.

Dieses Sterne-Erlebnis war ganz anders als meine vorherigen (etz in Nürnberg und Pottkind in Köln). Überraschenderweise hat das Lokal nur einen Stern. Das Ambiente ist futuristisch, die „Präsentation“ militärisch: Das Küchenpersonal steht für alle neu Eintretenden in formeller Aufstellung und grüßt; das Timing jedes Gangs ist präzise wie ein Artilleriebeschuss; für Abweichungen ist keine Zeit.

Das ist einerseits beeindruckend, andererseits fehleranfällig. Wenn „meticulous planning“ und „precise execution“ die heraufbeschworene Erwartungshaltung ist, dann fällt jedes vergessene Besteckteil, jede nicht perfekt sitzende Bewegung, eine fehlende zweite Hand für das synchrone Servieren an zwei Plätzen, eine anderweitig mit Rückfragen beschäftigte Sommeliere sofort als FEHLER auf – und die perfekte Fassade bekommt kleine, unfreiwillig komische Risse.

Das Menü aber war größtenteils spektakulär: Spherification am Platz; eine Brotdose am Tisch, in der Lobster vor sich hin garte, während man etwas anderes aß; durchdachte Kompositionen, sehr viel Abwechslung und am Ende trotzdem kein überbordendes Völlegefühl. Gewöhnungsbedürftig war ein Gang mit einem ganzen (kleinen) Kalmar, aus dem dann irgendwann die Tinte blubberte …

Insgesamt würde ich das wieder machen, auch wenn es mich inklusive Aperitif und Kaffee und Trinkgeld 365 Euro gekostet hat. Wiederum wünsche ich mir irgendwo ein alkoholfreies Bier in der Begleitung, und beim Enigma generell mehr Fermentiertes (es gab nur eine Tepache).

Mein Feedback:

  • please add alcohol free beer to the free pairing
  • atmosphere: didn’t dig the music
  • I’d prefer the water to be included in the menu price
  • when substituting alcohol, please think of an alternative to put onto the desert

Auf nach Hause!

Nach 12 Tagen unterwegs ging es dann nach kurzem Strandspaziergang am nächsten Tag Richtung Heimat; immerhin auch nochmal eine fast siebenstündige Reise. Diese Zusammenfassung meiner Reisenotizen hat aber auch nicht kürzer gedauert ‍…

Fazit des ganzen Urlaubs

  • Marokko war mir etwas zu langweilig.
  • Fliegen ist irgendwie ein unnötiger hazzle. Ich denke, ich würde generell lieber 10 Stunden mit dem Zug fahren als zu fliegen.
  • Als Tourist wirst du überall abgezogen, aber da gibt es qualitative Unterschiede. (Katja Hpunkt: „Ich lasse mich lieber von Pop Mart abzocken als von nem Typen in der Medina.“)

Algerien übrigens wäre tödlich langweilig geworden, weil die mit dem aus westlich-gegenkultureller Perspektive interessantesten Teil ihrer Geschichte wohl noch mehr fremdeln.

Nächstes Mal:

  • Land, wo man eine Sprache gut spricht;
  • Land, wo einen mindestens ein Museum interessiert;
  • Land, in dem der Guide Michelin aktiv ist.

Bewertungen (x / ⛤⛤⛤⛤⛤)

Marokko als erstes passerforderndes Reiseziel⛤⛤⛤⛤
Marokko als Reiseziel⛤⛤
Enigma⛤⛤⛤⛤
Reiseleitung⛤⛤⛤⛤⛤

 

 

2 Gedanken zu „Barcelona, Labubu, Enigma: 2025 travels (Part 4)“

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