Das Sabbatical ist nun seit weit über 2 Jahren komplett vorbei, auch wenn ich noch immer sehr häufig daran denke und davon berichte – nun auch öffentlich: Im Juni erreichte mich die Anfrage eines Deutschlandfunk-Zuträgers, der sich über Sabbaticals unterhalten wollte. Sowas mache ich ja immer gerne, daher hier die Ergebnisse:
- ein relativ kurzer Beitrag in „Deutschlandfunk Nova“: XXL-Auszeit. Wie wir ein Sabbatical planen
- ein längerer Beitrag in Campus und Karriere vom 15.09.2026; die Rahmen-Infos (Job Title, Unternehmenszweck) stimmen nicht 100%, aber das ist ja meistens so. Mein Part ist nach 4 Minuten erledigt. Siehe Transkript unten 🙂
Viel Spaß!
Transkript meines Abschnitts
Der Arbeitgeber ist mir einfach sehr entgegengekommen dabei. Ich habe halt gesagt, ich möchte das gerne machen. Und das Glück muss man auch haben, so ein Unternehmen zu haben, so einen Arbeitgeber zu haben, der da sehr offen dafür ist.
Dennis Schmolk ist zufrieden mit seinem Job. Er arbeitet schon seit einigen Jahren als Projektentwickler bei einem Rechtsberatungsunternehmen in Nürnberg. Chef, Kollegen, Bezahlung – das alles stimmt. Sein Herz schlägt aber auch noch für die Wissenschaft. Deswegen musste er für eine Zeit raus. Er wollte seinen Master machen in Soziologie an der Uni in Jena. Das war der eine Grund für sein Sabbatical, daneben gab es aber auch noch einen anderen.
Auch so ein bisschen Ausscheren aus dem gewöhnlichen Schule, Studium, Berufstätigkeit, Rente, Sarg-Modus war schon auch eine Motivation. Also unsere Gesellschaft organisiert den Lebenslauf auf diese und jene Weise – und kann man da nicht ein bisschen rumexperimentieren?
Für seine Karriere war das Studium egal, das wusste er schon vorher. Trotzdem wollte er es durchziehen und hat sich dafür auch ein ungewöhnliches Modell ausgedacht. 24 Monate hat das Studium gedauert, 14 Monate davon war er im Sabbatical. In den Semesterferien kam er aber immer wieder zurück und hat gearbeitet, wenn auch an deutlich weniger anspruchsvollen Aufgaben als zuvor. Weil er aber nie vorhatte, den Job zu wechseln, war diese Regelung für ihn optimal.
Wenn ich jetzt einfach gekündigt hätte und gesagt hätte, ich studiere jetzt hier nochmal – ich bin eigentlich ein relativ sicherheitsorientierter Mensch –, das hätte mir, glaube ich, schon Angst gemacht, wenn ich nicht gewusst hätte, wie es danach weitergeht.
Wer ein Sabbatical machen möchte, der muss sich eine Menge Fragen beantworten: Passt der Zeitpunkt oder gefährde ich dadurch meine Karriere? Kann ich es mir leisten, rein finanziell? Und wie geht es danach weiter?
Dennis Schmolk hat den engen Kontakt zu seinem Arbeitgeber gehalten. Er hat eine gewisse Zeit in Vollzeit gearbeitet, für weniger Gehalt, und sich dann die Differenz in den Sabbatical-Monaten auszahlen lassen. So konnte er sein zweites Studium entspannt genießen und nebenher ist er auch viel durch Ostdeutschland gefahren und hat sich in aller Ruhe Erfurt, Leipzig, Dresden und ein paar kleinere Städte angeschaut, die jetzt nicht ganz oben auf den Touristen-Chartlisten stehen.
Der Wiedereinstieg fiel ihm aber trotzdem schwer.
Dann musste ich erstmal wieder Anschluss finden, musste mich natürlich auch wieder einfinden in so eine 9-to-5-Routine. Also irgendwie wieder zurückkommen in diesen ganz normalen Alltag der Erwerbsarbeit.
Das hat etwa ein halbes Jahr gedauert, sagt er. Dann war er wieder drin. Mit allen Nachteilen, aber auch mit den Vorteilen einer klaren Struktur.
Wobei, ich fand es auch gut, dass Wochenenden wieder eine Bedeutung haben. Ich fand es auch gut, dass es wieder einen Feierabend gab. Das war ja alles im Studium nicht. Da hatte ich zwar unendlich viel Freizeit, aber damit auch immer den Druck: Hey, guckst du jetzt die letzte Family Guy-Episode oder guckst du dir nochmal eine Aufzeichnung von einem politikwissenschaftlichen Seminar an? Und das ist irgendwie dir überlassen und das bürdet dir aber auch die ganze Verantwortung dafür auf.

Eine gelungene Zusammenfassung des Projektes.