Digitaler Nachlass im Alltag – #diginastory

Ich habe lange überlegt, was ich für die Aktion #diginastory schreiben soll. Das Thema digitaler Nachlass ist durch digital-danach.de und die letztjährige digina ziemlich präsent in meinem Leben. (Dieses Jahr habe ich mich aufgrund anderer Projekte ein bisschen aus der digina-Orga rausgezogen und arbeite nur zu.) Daher habe ich mich entschieden, zwei konkrete Begebenheiten zu erwähnen, in denen ich „sowieso“ mit digitalen Spuren Verstorbener in Berührung gekommen wäre.

Ein Geburtstagsgruß …

Der Klassiker: Viele Facebook-Nutzer haben irgendwann die Begegnung mit einem Geisterprofil. Ich auch. Im Frühjahr stand wieder eine Geburtstagserinnerung in meinen Benachrichtigungen, obwohl die Account-Inhaberin schon 2014 verstorben war. Das Profil war kaum gepflegt (kein Profilfoto, kaum Aktivität seit Jahren), aber offenbar mit dem Geburtstag versehen. Interessanterweise war der neueste Post in der Chronik eine Online-Traueranzeige, die ein gemeinsamer Facebook-Freund geteilt hatte.

Ich muss gestehen: Mangels Gelegenheit hatte ich noch nie ein Profil in den Gedenkzustand versetzen lassen. Die theoretische Möglichkeit kannte ich natürlich und erwähnte sie laufend bei Vorträgen und in Workshops. Zeit also für die Praxis: Ich nahm die Traueranzeige als Nachweis und schrieb den FB-Support an. Einige Tage später wurde ich dann informiert, dass mein Antrag bewilligt wurde (hurra Netzbürokratie!) und das Profil trägt seitdem den Zusatz „In Erinnerung an“. Geburtstagserinnerungen gibt es keine mehr – leider aber auch keine zum Todestag.

Support für die Toten

Bei BookRix war ich ja auch für den Endkundensupport verantwortlich. Das brachte es leider mit sich, dass ich in den knapp 2 Jahren ein knappes Dutzend Mal von Hinterbliebenen kontaktiert wurde. Überweisungen, Mails oder Korrespondenz hatten sie darauf gebracht, dass der Verstorbene wohl einen Account bei uns hatte. Die meisten Fälle waren international, aber es gab auch ein paar deutsche.

Meistens ließ sich das Problem schnell lösen: Wir legten den Account still, zahlten Restguthaben aus, alles weitere wurde gelöscht. Woran die wenigsten dachten, war, dass sie die Bücher des Verstorbenen als Erinnerung behalten könnten. Fast alle wollten dann aber doch ein Archiv mit den Büchern und Entwürfen, als ich es ihnen anbot. (Die Ausnahme: Die Familie eines pseudonymen Porno-Autors, die wohl erst nach dem Tod von diesem Hobby erfuhren.)

Leider hing an diesen Fällen immer recht viel Büroratie. In Deutschland bestanden wir immer auf der Vorlage eines Erbscheins, sobald Geld ins Spiel kam. An der Stelle könnte man den Verwaltungsaufwand und die Belastung für Hinterbliebene deutlich reduzieren – ein Erbschein ist an sich ja keine Pflicht. 

Und jetzt?

Digitaler Nachlass wird ein immer wichtigeres Thema. (Fast) jeder hat ein digitales Leben, also wird er auch etwas hinterlassen. Wer seine Hinterbliebenen entlasten will oder sich für sein digitales Nachleben interessiert, sollte sich ein paar Gedanken machen. Das tut nicht weh und hilft, auch zu Lebzeiten ein bisschen mehr Ordnung ins Digitale zu kriegen. 

3 Gedanken zu “Digitaler Nachlass im Alltag – #diginastory”

  1. Hallo Dennis,
    zufällig bin ich auf deinen Blog-Beitrag gestoßen.
    Wir sitzen im gleichen Boot, wenn es um das Thema digitaler Nachlass geht.
    Aber dein Vorgehen bei FB kann ich persönlich nicht für gut heißen.
    Wir kümmern uns nun schon seit Jahren um den digitalen Nachlass bzw. das digitale Erbe. Aus meiner Sicht, sollten nur die Hinterbliebenen entscheiden, was mit einem FB Konto passiert. Vielleicht wollten die Erben bzw. der Verstorbene, dass das FB-Konto so bleibt, wie es ist. Auch das erleben wir in der Praxis.
    Bevor du das Konto in den Gedenkzustand versetztest, hättest du bei den Erben / Hinterbliebenen nachfragen sollen.
    Der Prozess bei FB ist schon schräg und kann auch leicht mißbraucht werden. Ein Grund für mich, direkt bei FB den Prozess zu hinterfragen. Seit dem Berliner Urteil habe ich lange darüber nachgedacht. Dein Aktivismus hat mich nun inspiriert, dass ich bei FB anklopfen muss, denn der Wille der Verstorbenen bzw. der Hinterbliebenen ist für mich obersten Priorität und es darf nicht sein, dass man durch senden einer Sterbeanzeige ein FB-Konto schliessen kann. Das verstößt für mich auch gegen die Trauerkultur.

  2. Hi Armin, danke für deinen Kommentar – den mir WordPress aus unerfindlichen Gründen vorenthalten hat. Hast du von FB denn inzwischen Rückmeldung erhalten?
    Grüße!
    Dennis

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