20 Tage USA (2026 travels, Part 1: Der Überblick)

Dieser Artikel gehört zu meiner bzw. unserer USA-Reise 2026. Viel Bildmaterial habe ich meinem Instagram-Story-Highlight USA zugefügt. Ansonsten sind das hier vor allem die direkten Erinnerungen und Eindrücke meines Trips. Das Inhaltsverzeichnis liegt auf der Tag-Unterseite.

Das Jahr 2026 war ein intensives Reisejahr. Magedeburg, Amsterdam, Wien – und nun eine Fernreise: Boston, NYC, Philadelphia, New Haven und Providence. Über die Hintergründe der Reise habe ich ja schon gebloggt. Hier nun also der erste Part als allgemeiner Reiserückblick. Vermutlich teile ich die konkreten Reiseeindrücke auf zwei Posts auf:

  • Boston, NYC, Philadelphia, New Haven kommen in einen Post.
  • Providence und das Thema „Meeting HPL in the US“ bekommt einen zweiten.

Aus Lust und Laune schreibe ich das hier nun auf Deutsch; browser translation sollte aber eigentlich gut genug sein, damit man das auch auf Englisch lesen kann.

5 von 50 Staaten: Unsere Route

Mit den genannten Städten habe ich nun also 10% der USA bereist – jedenfalls im Sinne von „in 10% der US-Bundesstaaten einen Fuß gesetzt“. (New Jersey habe ich nur durchreist.) In Sachen Fläche habe ich natürlich quasi nichts erkundet, und ich habe auch ausschließlich Einblick in die genannten Städte. Wir – meine Reisebegleiterin und Reiseleiterin für 2/3 des Trips, i.F.a. „Freundin“, und ich – waren per Amtrak-Zügen unterwegs, also konnten wir nicht mal an irgendwelchen Motels oder in Kleinstädten anhalten, sodass ich wirklich nur einen urbanen Eindruck der USA gewonnen habe.

Die Chronologie

Die Städte haben wir in der genannten Reihenfolge besucht, Providence kam also – des fixen Termins der Necronomicon wegen – am Ende. Die einzelnen Stationen bespreche ich noch, hier geht es erstmal nur um das große Ganze.

Rahmendaten

Die Reise erstreckte sich vom 29. Juli – 18. August 2026, also über etwa 20 Tage (je nachdem, wie man An- und Abreisetag wertet); ab dem 12.8. war ich alleine in den Staaten – Freundin musste wegen Katzen-Carearbeit zurück.

Das Gefühl, alleine über 6000 Kilometer von zu Hause entfernt zu sein, war weniger befremdlich als gedacht. Eigentlich hatte ich mich in den USA bis dahin hinreichend eingegroovet, um mir nicht zu viele Gedanken zu machen.

Zeitgefühl

Dinge, die einen vollkommen aus dem Alltag lösen und etwas „ganz anderes“ sind, schaffen ja auch oft ein anderes Zeitgefühl. Das hatte ich beim Sabbatical-Studium ja schon mehrfach angemerkt und das war diesmal genauso; plus: In den USA gibt es keinen „Ruhetag“ wie unsern Sonntag, und die Zeitverschiebung tat ihr Übriges. Ich war (und bin) ziemlich desorientiert in Zeit und Raum. Der Hinflug hat uns ja quasi Zeit gewonnen (wir kamen um 18 Uhr Ortszeit an, was aber 0 Uhr „Herkunftszeit“ war), der Rückflug kostet mich nun Zeit, und ein paar Tage lang geht die Uhr dann wegen Jetlag eh anders. (Hätte ich mir aber schlimmer vorgestellt, jedenfalls auf der Hinreise.) Zum Glück habe ich nach der Reise nun noch eine Woche frei.

Kosten

Ich versuche, sowas ja immer sehr transparent zu halten, wie schon beim Sabbatical.

Daher hier die Aufschlüsselung:

  • Die ganze Reise kostete ungefähr 4900 Euro und ist damit mit Abstand meine teuerste. Laut meinem GnuCash-Haushaltsbuch habe ich in keinem Jahr jemals so viel Geld für Reisen ausgegeben, geschweige denn für eine einzelne.
  • Pro Tag sind das also ca. 250 Euro, im Schnitt über alle Ausgabekategorien.
  • Der Löwenanteil waren Flug und Übernachtungen (ca. 3100 Euro) und Necronomicon-Ticket (300 Euro). Die 20 Tage haben vor Ort also im Schnitt „nur“ knapp 100 Euro gekostet (das sind aktuell, btw, 115 Dollar).
  • Hierbei sei angemerkt, dass ich es verrückt finde, dass man so einen Flug für 770 Euro (hin und zurück) bekommt. Irgendwas stimmt da nicht.
  • Von meiner ursprünglichen Prognose bin ich allerdings weit entfernt: Von den verplanten 7500 Euro habe ich nur 2/3 ausgegeben und bin damit ganz zufrieden.
  • Die Hälfte der Vor-Ort-Ausgaben waren Gastronomie, gefolgt von Eintritten, Souvenirs, Lebensmitteln usw. Ich habe das aber alles einfach auf eine Kreditkarte gebucht und werde das auch im Nachhinein nicht zu genau aufdröseln – die Kosten gehören für mich alle in den Bereich „Reise“, was natürlich unterschlägt, dass ich zu Hause auch Geld ausgegeben hätte.

Beobachtungen zum Geld

Getränke sind ausgesprochen teuer, vor allem alkoholische oder „alkoholfreie alkoholische“ Getränke. Ein kleines Bier für 10 Dollar ist in der Gastronomie nicht ungewöhnlich, egal, ob Alkohol drin ist oder nicht. Wenn man einfach beim complimentary water bleibt, spart man also potenziell ziemlich viel – Freundin meinte auch, diesen Trick vor allem bei Locals oft zu beobachten.

Sehr günstig sind dafür ÖPNV-Tickets: Busfahrten für 2,40 in Boston, lange Strecken für etwas über 3 Euro. Zumindest, wenn das mit dem Ticket klappt – denn in New Haven und Providence kann man nur mit einer für Außenstehende unverständlichen App oder halt bar bezahlen; mehr als einmal wurden wir entnervt kostenlos mitgenommen, weil kein (passendes) Bargeld zur Verfügung stand. (Busfahrer hassen diesen Trick.)

Dass alle Preise in Menüs und auch im Einzelhandel stets „excluding tax“ angegeben werden, macht die Sache enorm intransparent – so ähnlich wie das nichtmetrische System bei Temperatur und Maßen. Man hat – jedenfalls als Touri – höchstens eine trainierbare Intuition, wie viel eine Sache kosten wird – und das variiert von State zu State, sodass ich auch jetzt noch nicht sagen kann, wie teuer mich ein Energy-Drink für 3 Dollar am Ende kommt.

In der Gastro kommt dann noch das Thema Trinkgeld dazu, denn offenbar sind 20% dort ein Muss – ohne wird man vermutlich auf die Straße verfolgt und ausgepeitscht, das wollte ich aber nie experimentell bestätigen und habe stets brav 20% gegeben. (Außer an To-Go-Theken, da habe ich immer 0% gewählt.)

Sparpotenzial

Man kann aber sicherlich auch weniger ausgeben. Wir haben einen Omakase-Abend in NYC gemacht, der bei 200 Dollar pro Person lag, und Lobster Rolls sind relativ teuer (35-45 Dollar), sodass sich hier sicherlich 200-300 Dollar hätten sparen lassen.

Auch „Touri-Stuff“ ist ziemlich teuer: Museen kosten 25-35 Dollar Eintritt (wobei wir z.B. in Philadelphia am Pay-What-You-Want-Tag im Kunstmuseum waren), eine Fährfahrt Boston-Salem 40 Dollar, der Blick vom Rockefeller-Center auf NYC sogar noch mehr. Aber im Vergleich zu den Gesamtkosten dachte ich mir meistens, dass ich daran jetzt auch nicht sparen muss …

Seafood!

Diese Überlegung galt vor allem für Lobster Roll, Clam Chowder und Austern. Kurzes Bekenntnis: Ich liebe Clam Chowder (und musste auch am Flughafen noch eine Tasse als Abschiedsmahlzeit haben), und auch die verschiedenen Lobster-Variationen haben mir sehr zugesagt.

Austern kann man besonders gut in happy hours genießen – für 1 oder 2 Dollar pro Stück, fangfrisch aus der Region. (Wobei ich mir mehrfach habe sagen lassen, dass das alles kein Vergleich mit Kanada sei, wo es wohl die besten besonders günstig gebe – eventuell muss ich da mal hin.)

Das ist schon ein gewaltiger Kontrast gegenüber meinem Ich vor zwei Jahren – damals habe ich, wie Lovecraft, übrigens – alles aus dem Wasser verabscheut. Die Erweckung kam dann übrigens in einem kleinen Hipster-Fischsuppenladen in der Nürnberger Südstadt, aber das ist eine andere Geschichte … Ohne ein bisschen Liebe für Seafood entgeht einem in dieser Region jedenfalls einiges.

Die feinen Unterschiede

Generell kamen mir die USA nicht besonders exotisch vor – jedenfalls nicht so exotisch wie Marokko 2025. Das lag vielleicht auch am schon erwähnten urbanen Fokus, und vermutlich auch an der Ostküste. Boston empfand ich als sehr europäisch; NYC fand ich mit nichts anderem vergleichbar, was ich bislang betreten habe, aber nicht auf „exotische“ Weise, sondern eher was die Größenordnung betrifft – in die Höhe genauso wie in die Breite.

Safety

New Haven, Philadelphia und Providence empfand ich schon weniger wie eine westdeutsche Großstadt mit anderer Sprache, etwas anderem Aufbau und anderer Architektur: In allen drei Städten hatte ich das eine oder andere Mal ein gewisses Unbehagen. New Haven begrüßte uns im Zentrum direkt mit einigen ziemlich weggetretenen Gestalten – Meth, Opioid-Krise oder Crack, das war mir nicht ganz klar. (Und bei abgemagerten Passanten kann man inzwischen ja auch nicht mehr sagen, ob es an Crack oder Ozempic liegt; ich wage aber zu behaupten, dass es da kaum Schnittmenge in den Zielgruppen gibt.)

New Haven fand ich vor allem im sowieso furchtbaren Public Transport etwas bedrohlich; Providence hatte dann vor allem viele Menschen zu bieten, die in den zahlreichen öffentlichen Parks campten (und teils schwer berauscht herumbrüllten oder einen anbettelten oder sich fluchend und streitend die Straße hinab verfolgten). Und das war nicht immer auf einen kleinen Ausschnitt der Stadt beschränkt.

Fortbewegung

Apropos Public Transport: Wie gesagt, ist der ziemlich günstig. Außer in NYC hatte ich aber überall den Eindruck, dass trotzdem kaum Menschen der Mittelschicht diesen benutzen (zumindest keine Busse). Ich vermute: Wer den Bus benutzt, tut das, weil er sich kein Auto leisten kann. Und fertig. Das merkt man dann teils an Bezahlweisen, s.o., oder auch am Publikum vor Ort.

Als Fußgänger ist man je nach Stadt auch eher der Exot: Zwar gibt es überall breite Bürgersteige, aber die benutzt oft keiner. (Die Ausnahme natürlich Manhattan, wo auch die Fußwege oft ziemlich voll sind, genau wie die U-Bahn.) Trotzdem liefen wir die meisten Strecken innerhalb der Städte. Ich komme an den „Lauf-Tagen“ auf durchschnittlich 8 Miles, wie viel auch immer das in Kilometern ist. Über Providence sagte mir jemand, das sei eine „walking city“ – im Kontrast zu Boston, was „neither a walking nor a driving city“ sei. Fand ich nicht – ich habe bei einer Walking (!) Tour Boston sehr für die Walkability gelobt.

Übrigens: Wer ungerne oder aus Prinzip nicht über rote Ampeln geht, hat in den USA vermutlich ein Problem. Von meiner Unterkunft in Providence ins Zentrum waren es ca. 8 Minuten; wäre ich dabei aber nicht stur über rote Ampeln gegangen, wären daraus vermutlich 20 geworden. Die Fußgängerampeln sind fast alle „Drück-Ampeln“, und die schalten nur auf grau (= grün), wenn gerade auch die Phase passt. Im schlimmsten Fall haben die Autos noch 20 Sekunden grün, man bekommt aber kein „Walk!“-Signal mehr – und wartet 3 Minuten.

Die großen Strecken legten wir mit dem Zug, also Amtrak, zurück. Das verlief ziemlich smooth. Man hat immer einen Sitzplatz mitreserviert, aber keinen festen – im vollen Zug muss man also ggf. etwas suchen. Für Gepäck gibt es genug Stauraum, aber eher overhead – schwere Koffer werden also ggf. zur Kraftprobe. Wir hatten eine Stunde Verspätung auf einer Fahrt, aber das war relativ egal – insgesamt war ich also durchaus angetan von diesem Fortbewegungsmittel.

Einreise

Ein paar Worte noch zur Einreise: Vor 5 oder 10 Jahren hätte ich mir niemals vorstellen können, nervös zu sein, ob ich in die USA einreisen kann und darf. Das schien mir so selbstverständlich wie innerhalb der EU. Hätte man mich gefragt, ob ich glaube, eher an der Grenze von Marokko oder der der USA zurückgewiesen zu werden, hätte ich ohne zu zögern Marokko gesagt. 2026 allerdings habe ich mir schon ein paar Sorgen gemacht – man hörte ja viel, und die (teils halbironischen) Kommentare von Freunden halfen da auch nicht. War dann aber alles ziemlich easy. Daher eine kurze Schilderung:

Im Vorfeld muss man ja ein „ESTA“ beantragen; das geht schnell und unkompliziert via App. (Caveat: Man muss natürlich seinen Reisepass scannen etc., also in Sachen Schutz personenbezogener Daten ist das ein Alptraum. Ich gehe aber davon aus, dass die USA meine Daten sowieso haben – NSA, CIA und Co.) Man muss seine Social-Media-Accounts auch nicht unbedingt angeben, das ist optional – ich habe das ESTA auch ohne Angabe meiner subversiven Instagram- und Twitterkanäle bekommen. Kostet etwa 40 Dollar.

Die eigentliche Einreise gestaltete sich dann als vergleichsweise easy: 25 Minuten in einer Schlange am Flughafen in Boston anstehen, zu einem Grenzbeamten (Homeland Security?) gehen, ein paar Routinefragen beantworten (Why are you here, where do you stay, ..) und dann – Fingerabdrücke abgeben. Leider sagte der Mann dann nicht „Welcome to the US“ sondern nur so etwas wie „You’re all set“. Schade.

Politik

Wenn wir schon bei der Einreise sind: Insgesamt habe ich von Politik nicht soooooooo viel mitbekommen. Einige Gespräche im Umfeld der Necronomicon eröffneten mit Smalltalk, und der begann oft mit „This is my first trip to the US“ – „Where are you from?“ – „Germany, Nuremberg“ – „Oh, great! Do you like the US?“ – „Yeah!“. Einige gingen dann aber auch weiter, und einer endete in der Frage meines Gesprächspartners (irgendwo aus dem Mittleren Westen): „So, how do you Europeans see us Americans?“

Das war dann gar nicht so einfach. Die klassischen „Bowling for Columbine“-Themen und Kulturunterschiede bzgl. etwa Waffen konnte er direkt nachvollziehen. Aber mir war es wichtig, auch noch irgendwie zu artikulieren, was sich durch die Änderungen der internationalen Beziehungen durch die Trump Administration geändert hat … Ich habe dann sinngemäß erklärt, dass wir bis vor einigen Jahren unvorstellbar fanden, die USA als „Schutzschirm“ unserer pazifistischen Weltordnung zu verlieren. Aber ich habe dabei selber gemerkt, wie hohl das klingt – nicht nur im Nachhinein. Irgendwie ist es schon anmaßend, sich für Verteidigung auf ein ziemlich weit entferntes Land zu verlassen und in dessen Schatten auszuruhen. Aber so bin ich aufgewachsen: Im Zweifel wird der Ami schon eingreifen, wenn es allzuschlimm wird.

In Philadelphia gab es den vielleicht eindrücklichsten Dialog zu Politik, in einer Kulturinstitution. Mein Gesprächspartner war merklich in großer Sorge, was die Zukunft des Landes und der freien Demokratie, der Kulturförderung der Freiheit der Kunst anging. Er berichtete u.a. auch von republikanischer Zensur eines Slavery-Mahnmals im Wohnhaus George Washingtons:

Trump administration replaces Philly President’s House slavery exhibit ‘under the cover of darkness’ after monthslong legal battle (Quelle)

Paradoxerweise habe ich also den Eindruck gewonnen, dass die Amerikaner das Thema Politik genauso sehen wie ich. Meine Gesprächspartner waren halt alle liberal, democrat, left-wing. Wie auc die Anti-ICE-Poster oben beweisen: Ich war vor allem an Orten, die mit dem gegenwärtigen Kurs der US-Regierung fremdeln. (Btw: Einigen meiner Gesprächspartner sagte sogar die AfD etwas.)

In Sachen Race fiel mir an vielen Stellen eine auffällige soziale Sortierung auf: Das „eigentliche“ Publikum war überwiegend non-Hispanic White, die Servicekräfte häufig Latino und die Security auffallend oft Black. Natürlich gab es Ausnahmen in alle Richtungen, aber das Muster war erstaunlich konstant – von Museen bis zur NecronomiCon. Das ist nicht nur ein Reiseeindruck: US-Statistiken zeigen sowohl bei kultureller Teilhabe als auch in Service- und Security-Berufen erhebliche Unterschiede nach Race und Ethnicity. Von einer annähernd proportionalen Teilhabe der verschiedenen Bevölkerungsgruppen kann jedenfalls keine Rede sein.

Fernsehen

Die Hotel- bzw. Airbnb-Abende verbrachten wir mehrheitlich damit, eine der amerikanischsten Serien zu gucken, die man sich vorstellen kann: Family Guy. Das spielt ja sogar in Rhode Island; Peters Arbeitgeber „Pawtucket“ Brewery ist nach einer Stadt knapp nördlich von Providence benannt.

Genauso spannend wie die Serie war aber die Werbung dazwischen – vor allem die für Pharmazeutika. Neben vermutlich problematischen Versprechen („It cured my depression!“) stehen dann die Nebenwirkungen: „nausea“, „diarrhea“, „can be fatal“, „death“.

Problemfeld Mobil-Konnektivität

Eine kurze Randbemerkung: Ich hatte in einem Großteil der USA Probleme, mit meinem HMD Fusion eine Verbindung in das dortige Netz aufzubauen. 5G ging gar nicht, LTE ging nur

  • in Boston,
  • auf dem Gelände der Brown University (aber eine Straße weiter Richtung Downtown Providence nicht mehr) und
  • an großen Amtrak-Stationen.

Ansonsten war ich in Sachen Mobilfunk „offline“. Das war an sich nicht schlimm – meine Reisegefährtin (deren Pixel keine Probleme machte) hat mich halt per Hotspot versorgt. Als ich dann alleine war, war ich zwischen zwei WLANs immer offline, was aber nur ein wenig lästig war.

Diagnose mit Chatty führte mich auf die Spur, dass das US-Netz offenbar auf anderen Frequenzbändern läuft als Europa. (Wobei ich die gleichen Probleme schon mal in der Schweiz hatte; es scheint also granularer als „Kontinent“.) Möglicherweise krankt mein Gerät daran, aber wie soll man das im Voraus erahnen …?

Naja – bis zum nächsten Auslandsaufenthalt habe ich vermutlich eh ein neues Gerät. Vielleicht hat Freundin aber einfach Recht: „Die Welt ist auf Samsung, Pixel und iPhone eingestellt – kauf dir halt ein richtiges Handy.“

Reisen alleine und zu zweit

Ich habe bislang nur wenige Reisen alleine unternommen. Magdeburg und ähnliche Kurztrips ja, aber längere Aufenthalte? Nope. Außer, man rechnet das Sabbatical rein, dann war ich ja doch manchmal 2 Wochen „alleine“ in Jena.

Wie fand ich das nun? Eigentlich ganz gut. Ich würde vermutlich keinen sehr großen Urlaub alleine buchen, wenn ich eine Alternative hätte, aber es hat schon was für sich: Man kann das Tempo und das Programm frei bestimmen, essen und schlafen wenn man hungrig bzw. müde ist usw. Gerade Fortbewegung in bekanntem Terrain fällt mir alleine am leichtesten (s. „rote Ampeln“).

Andererseits fehlt ein bisschen der Austausch bzw. muss fernmedial nachgeholt oder mitgezogen werden (was ja sehr gut geht – auch, wenn man auf WLANs angewiesen ist, s.o.). Und neues Terrai alleine erkunden macht mir zu zweit mehr Spaß. Aber insgesamt fand ich es keine schlechte Erfahrung; auch der Rückflug alleine war okay.

Und ganz wichtig: Man kommt alleine deutlich mehr ins Gespräch mit Locals, so ging es jedenfalls mir. Zu zweit hat man dann ja doch immer einander zum Reden und schreckt andere vielleicht auch ab. Kurz nach Freundins Abreise hatte ich jedenfalls direkt eines meiner längsten Gespräche mit einem Einheimischen.

KI als Reisebegleiter

Unverzichtbar auf dieser Reise: AI-Assistenz (und nicht erst als Gesprächspartner, als ich dann alleine war). Ich habe hunderte Anfragen an ChatGPT geschickt, Bilder mit Lens analysiert usw. Schon die Reisevorbereitung lief mittels GPT-Projekt: Ich habe alle Tickets (Flüge, Amtrak, Con) sowie Screenshots der Hotelbuchungen reingeworfen – und mir einen kompakten PDF-Reiseplan erstellen lassen. Ich hatte gelesen, sowas hilft bei eventuellen Einreiseproblemen, wenn man Route und Unterkünfte klar darstellen kann. Brauchte ich dann ja nicht, aber ich fand das als Übersicht dennoch ganz gut. Auch die Packliste hatte ich mit GPT erstellt (Freundin ebenso).

Claude half mir dann (mehr oder weniger) bei der Verwaltung der Erinnerungen: Tagsüber grobe Notizen, was man macht und was einem auffällt; abends in Claude, der daraus ein paar Erinnerungsdateien nach Themen erstellt und weiterpflegt. Mit der Aktualisierung lokaler Dateien per Cowork (die ich dann per Nextcloud synchronisiere) hat es allerdings gehapert. Das läuft bei meinem Finanz-Projekt irgendwie smoother. Einige Sachen vergaß Claude auch wieder oder speicherte es einfach nicht persistent ab, trotz Aufforderung.

Generell scheint mir Claude momentan noch „dümmer“ als Chatty, eher auf einem Level mit meinem Staubsaugerroboter: Der dreht manchmal 2h Runden durch meine Wohnung, und am Ende liegt dennoch eine Wollmaus auf dem Teppich. Claude rödelt 25 Minuten (Cowork, Opus), verbrennt Token, aber am Ende kommt Murks raus, den ich nie angefordert hatte. ChatGPT scheint mir da präziser zu arbeiten.

„Schreiben“ würde ich Claude so einen Text hier aber weiterhin nicht. Auch wenn ich ihm hunderte meiner Blogartikel füttere, kommt am Ende kein Text heraus, der für mich nach mir klingt. Fast immer ist die KI dann doch zu kreativ, zieht gut klingende, aber schwachsinnige Schlüsse usw. Das zu korrigieren dauert länger, als einfach selber zu schreiben – und mir macht das ja auch Spaß, sonst täte ich es nicht. Für Gebrauchstexte gerne, aber für persönliche auf keinen Fall.

Was werde ich (nicht) vermissen?

Nachdem ich nun zurück bin, werde ich das Folgende vermissen:

  • Läden haben rund um die Uhr und auch am Sonntag offen, jedenfalls hinreichend viele
  • Fast überall kann man mit der Karte zahlen (Ausnahme: Busse in kleinen Städten)
  • Fernsehwerbung, vor allem für Anwälte („You got hurt!?“) und Medikamente
  • Seafood
  • Klimaanlagen – obwohl man deretwegen immer etwas „Langwärmliches“ (Zitat) dabei haben sollte, auch an heißen Tagen.

Was eher nicht:

  • Das Tax-and-Tips-System, das zu unfassbarer Intransparenz führt
  • Hohe Preise
  • ÖPNV

Ich werde neben Seafood auch Diner-Essen vermissen; beides ist aber okay: So bleibt Seafood was Besonderes und meine Kardiologin hat länger etwas von mir.

Rangliste der Städte

  1. Boston: europäisch, sicher, fußgangbar.
  2. NYC: krass.
  3. Providence: Nicht umsonst Lovecrafts Lieblingsstadt.
  4. New Haven: Ganz nett, aber schon arg klein.
  5. Philadelphia: Trotz coolem Museum und Cheesesteak landet Philly auf dem letzten Platz – ich weiß gar nicht genau, warum, aber die Stadt blieb mir am fremdesten.

Und nun?

Nach der Heimkehr habe ich nun erstmal groggy jetlag. Außerdem habe ich schon am Tag vor der Abreise bemerkt, dass es mir quasi unmöglich ist, neue Eindrücke aufzunehmen – ich habe abends ein Necronomicon-Panel geskippt und bin Brown University abgelaufen. Und auf dem Rückflug habe ich statt neuer Filme einfach „Good Fellas“ und „No country for Old Men“ geguckt; das war sehr amerikanisch und gleichzeitig altbekannt.

Ich vermisse gerade noch sehr, unterwegs zu sein und bin noch nicht so ganz angekommen. Vielleicht hilft es, hier in den kommenden Tagen noch meine ganzen Eindrücke in Blogposts zu gießen.

Fazit

Ich würde den Urlaub wieder genau so machen, aber nicht sofort nochmal. Eine Preis-Leistungs-Abwägung finde ich schwierig – es hat gekostet, was es nunmal gekostet hat, und das kostet es halt. Da macht die Abwägung keinen Sinn. Wie bei einer Lobster Roll.

6 Kommentare zu „20 Tage USA (2026 travels, Part 1: Der Überblick)“

  1. Schön, dass du selber schreibst, ziehe ich auch jeder KI vor!

    Insgesamt ist dein Eintrag eine schöne Übersicht und Zusammenfassung des Amerika-Abenteuers.

    Antworten
  2. 1. Einreise auf Punkt 4.3 ist eine Entscheidung die man treffen kann aber sicherlich nicht muss.

    2. wie links grün versaut muss man sein um sich auf Amerika zu verlassen für die Verteidigung. Gut das Trump nun auch den letzten aufweckt.

    3. wie hier die oberen 10% (weltweit) damit prahlen einfach 5k ausgeben zu können. In einen Flieger zu steigen und die klimakrise zu potenzieren nur um dann zu jammern das die Eindrücke zu viele waren.

    Wiederlich

    Antworten

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