Was ist das deutsche Durchschnittsvermögen – und wie vergleicht man das?

Machen wir uns nichts vor: Die klassische Abstiegsangst der Mittelklasse kennt heute vor allem zwei Ausprägungen. Die erste betrifft den Gymnasialübertritt des Nachwuchses, die zweite die Altersarmut. (Von der einstmals ebenfalls klassischen Aufstiegshoffnung der Mittelklasse schweigen wir hier, denn sie wurde seit Längerem nicht mehr gesichtet.) Handeln wir das mit dem symbolischen bzw. institutionalisierten kulturellen Kapital mal rasch ab: Die Studienberechtigtenquote liegt laut Statistischem Bundesamt (künftig: Destatis) seit 2010 kontant über 50%. Da die Mittelklasse weniger Kinder kriegt als früher und als andere Klassen, können wir also davon ausgehen, dass die erste Ausprägung beruhigt zur Seite gelegt werden kann.

Kommen wir also zur zweiten Frage und gucken uns – nach dem Durchschnittseinkommen – diesmal das Durchschnittsvermögen an. Wir nehmen wieder ein fiktives Paar um die 30 als Ausgangspunkt. Die beiden fragen sich wiederum, wie sie im Deutschlandvergleich abschneiden und vor allem, welches Vermögen für ihr Lebensalter „normal“ wäre. Dabei wollen wir uns aber natürlich auch angucken, wie das mit dem Thema Vermögen insgesamt in Deutschland aussieht und in welchem Lebensalter man durchschnittlich welchen Betrag hat. Spoiler: Es wird an einigen Stellen etwas verwirrend.

Unser Paar

Nähere Infos zu den beiden gibt es im vorherigen Beitrag zum Durchschnittseinkommen. Beim Vermögen sind die beiden aus ihrer Sicht auch nicht schlecht aufgestellt: Sie haben ja auch, siehe den genannten Beitrag, eine hohe Sparrate von 725 Euro im Monat. Diese halten sie nun schon seit 4 Jahren durch und haben folglich jeweils 4*12*725=34.800 Euro auf der hohen Kante.

Nehmen wir mal an, beide haben das Geld einfach auf einem Sparkonto Tagesgeldkonto liegen, weil sie bislang (wie relativ viele Deutsche, s.u.) andere Anlagen als eher riskant einstufen. Das ist auch der Grund, dass sich das Geld nicht vermehrt hat (sondern aufgrund der seit einigen Jahren wieder positiven Inflation relativ zur Kaufkraft weniger geworden ist).

Hier gleich ein Fun Fact: Aus Daten der Bundesbank lässt sich die Realverzinsung von Spareinlagen schön aufbereiten. Es sieht also seit ca. 2010 tendenziell tatsächlich eher nicht so rosig aus für das Sparbuch und längerfristige Anlagen.

Für Sichteinlagen (wie Tagesgeld) existieren offenbar leider erst seit Mitte der 90er Datenreihen. Kurzfristige Anlagen waren auch vorher öfter (real) negativ verzinst, aber erst seit 2010 befinden wir uns auch für langfristige Anlagen in einem dauerhaften Tief, aus dem es auch kein Entrinnen zu geben scheint (Prognosen der Bundesbank).

Verwendete Maße

Kommen wir zu unseren ersten Vermögens-Mittelwerten. Wie üblich werde ich folgende Nomenklatur verwenden:

  • Durchschnitt = arithmetisches Mittel, also (a+b+c+…+n)/n. Bei diesem Maß verfälschen extreme Werte den Mittelwert stärker: Zehntausend normale Menschen plus Bill Gates sind sehr, sehr viel reicher als hunderttausend normale Menschen.
  • Median = der Wert, der die untersuchte Gruppe in Hälften teilt. Heißt: 50% haben mehr, 50% haben weniger. Bill Gates fällt hier als Datensatz überhaupt nicht ins Gewicht – einzelne Extremfälle verzerren das Maß nicht.
  • Mittelwert = beide Maße.

Erste Mittelwerte

In Deutschland finden wir fürs Vermögen viele verschiedene Quellen. Die Bundeszentrale für politische Bildung geht in einem Report über das Jahr 2017 von folgenden Zahlen aus:

Im Durchschnitt verfügten in Deutschland im Jahr 2017 alle Personen ab 17 Jahren über ein Nettovermögen von 108.449 Euro. Der Median der Vermögensverteilung, also der Wert, der die reichere Hälfte von der ärmeren trennt, lag allerdings bei nur 26.260 Euro. Anders formuliert verfügte die eine Hälfte der Erwachsenen über ein Vermögen von weniger und die andere Hälfte über ein Vermögen von mehr als 26.260 Euro. (H.v.DS)

Wichtig zu wissen: Hierbei geht es jeweils um das Nettovermögen, also dem Vermögen nach Abzug von Schulden (Aktiva minus Passiva, für die Buchhalter*innen unter den Lesenden). Da unser Beispielpaar schuldenfrei ist, spielt das aber erstmal keine Rolle.

Wo stehen die beiden nun?

Wir sehen, dass sie nach den bpb-Zahlen also in der oberen Hälfte der Verteilung stehen, wenn auch nur knapp. Daher brauchen wir zur Verortung detailliertere Vergleichswerte. Dazu berechnen wir (bzw. die bpb) das arithmetische Mittel des Vermögens für einzelne Subgruppen der Gesellschaft, die jeweils die 0-10% ärmsten, 10,1-20% der ärmsten usw. Personen umfassen. Alle Zahlen ebenfalls bpb:

  • Das unterste Zehntel der Privatpersonen ist verschuldet, und zwar mit durchschnittlich 12.765 Euro.
  • Das zweitunterste Zehntel hat kein Vermögen.
  • Das sechstunterste Zehntel hat schon ein Durchschnittsvermögen von 40.681 Euro, also mehr als unser Paar. Diese Gruppe besitzt übrigens 3,8% von allem Vermögen in Deutschland.
  • Je weiter wir die Verteilung nach oben klettern, desto extremer werden die Werte: das 7. Zehntel hat schon fast 80.000 Euro, das 8. hat 130.000 Euro, das 9. hat 211.000 Euro und beim höchsten Zehntel liegt mehr als die Hälfte allen Vermögens, im Schnitt über 600.000 Euro.

Unser erster Eindruck ist also, dass a) die beiden nicht schlecht dastehen (besser als die Hälfte, obwohl sie noch relativ jung sind) und b) dass alles ziemlich ungleich verteilt zu sein scheint.

Exkurs: Die Vermögensverteilung in Deutschland ist extrem ungleich (Gini-Index)

Für den Vergleich der Ungleichheit zwischen Staaten existiert der sogenannten „Gini-Koeffizient“. Zur Herleitung und eventuellen Problemen mit dem Maß siehe Wikipedia. Laut Hans Böckler Stiftung (PDF, S.7) hatte Deutschland den zweithöchsten Gini-Koeffizienten Europas nach Litauen – mit einem Wert um 0,8. Das heißt, bei uns sind die Vermögen extrem ungleich verteilt. Zum Vergleich: Italien, Spanien, Griechenland, Belgien und Polen lagen bei nur 0,6, die Slowakei sogar nur bei 0,5. Für das Jahr 2019 gibt es im „Global Wealth Databook“ der Credit Suisse aktualisierte Zahlen. Nun liegen Dänemark, die Ukraine, Schweden und die Niederlande in Sachen Ungleichheit vor Deutschland.

Der reale Wert könnte allerdings (überall) noch höher liegen, da es in vielen Ländern wie in Deutschland keine Verpflichtung gibt, Vermögen offenzulegen. Da das Kapital grundsätzlich eher ein Interesse haben dürfte, Ungleichheit zu verbergen oder von Ungleichheit abzulenken, die Vermögensforschung in Deutschland zudem lange eher stiefmütterlich behandelt wurde, fehlen hier sicherlich viele Datenpunkte.

Bei einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe (wie dem [Sozioökonomischen Panel]) werden sehr hohe Vermögen tendenziell untererfasst: Milliardäre und hochvermögende Millionäre sind nicht oder nur unzureichend in der Stichprobe enthalten. Das Ausmaß der tatsächlich in Deutschland vorhandenen Vermögensungleichheit wird dadurch unterschätzt. [bpb]

Wen das Thema tiefer interessiert: Unterteilt man die Gesellschaft nicht in 10%-Blöcke, sondern in 1%-Blöcke, ergeben sich astronomische Werte für das oberste Prozent. Es sind wenige sogenannte „high net worth individuals“, Superreiche, die das Vermögen horten. Ich würde ja empfehlen, die Wahlentscheidung in 4 Wochen von dieser Information beeinflussen zu lassen, nur scheint das keine der großen Parteien zu interessieren. Schade.

Weitere Vergleichsmöglichkeiten

Wie kann sich unser Beispielpaar weiterhin vergleichen? Hier bieten sich insbesondere ihre Lebenssituation sowie ihr Lebensalter an.

Einkommensverteilung

Die bpb hat auch eine Statistik nach Einkommensgruppen 2017. Leider sind die dortigen Zahlen nur in Dezilen der Einkommensverteilung angegeben, nicht in absolutem Einkommen. Zugrundgelegt ist das Nettoäquivalenzeinkommen (siehe den vorherigen Beitrag). Wir wissen, dass unser Paar mit 2175 Euro NÄE etwas über dem Median liegt; daher rechne ich sie hier ins 6. Zehntel. Damit beträgt ihr Referenz-Durchschnittsvermögen (ich vermute, ohne Immobilien) 76.000 Euro, also deutlich mehr, als sie jeweils haben. Interessanterweise hätten sie ein höheres Durchschnittsvermögen, würden sie ein Dezil tiefer liegen (84.000 Euro); leider liefert die bpb hierfür keine Interpretation.

Bei Destatis (PDF, S. 30f) finden wir heraus, dass unser Paar mit einem Haushaltsnetto von 4000 Euro statistisch einen durchschnittlichen Haushalts-Nettogesamtvermögenswert von 255.000 Euro haben müsste (Median: 170.000 Euro). Wie lange sie dafür wohl noch sparen müssen?

Zu dieser Frage ist der Exkurs zu den Sparraten in der bpb-Quelle spannend:

Je höher die Haushalte in der Einkommensskala rangieren, desto höher ist der Anteil der Haushalte, die regelmäßig sparen, und desto höher ist auch der Anteil vom Einkommen, der gespart wird.

Beispielsweise lag nach den Daten der Einkommens- und Verbraucherstichprobe (EVS) bei den Haushalten in Deutschland die Sparquote – also der Anteil der Ersparnisse am Nettoeinkommen – im Jahr 2013 bei durchschnittlich 17,5 Prozent. Im einkommensstärksten Zehntel (10. Dezil) lag die Quote jedoch bei 37,5 Prozent – was im Durchschnitt einer Ersparnis von 2.687 Euro pro Monat entsprach. Im 9. Dezil lag die Sparquote bei 23,6 Prozent und die durchschnittliche Ersparnis bei 1.069 Euro pro Monat.

Die beiden sparen also, wie schon im ersten Artikel angebracht, deutlich überdurchschnittlich. Das sollte sich im Laufe ihres Lebens doch bezahlt machen:

Lebensalter

Unser Paar ist um die 30, sagen wir: genau 30. laut einer weiteren bpb-Aufbereitung des sozioökonomischen Panels müssten sie dann als Westdeutsche 24.000 Euro pro Kopf haben (Osten: nur 9000 Euro!); das entspricht ziemlich genau dem Durchschnitt aller Mieter (s.u.). Man kann also sagen: Mieter bleiben im Durchschnitt immer 30 …

Aber bleiben wir kurz beim Kriterium Lebensalter:

  • In einem Jahr, mit 31, rutschen sie in die nächste Kategorie „31–35“ und müssten schon 47.000 Euro haben (Osten: 23.000), um mit dem Durchschnitt mitzuhalten. Das schaffen sie mit der aktuellen Sparrate nicht.
  • Wären sie heute 41, hätten sie im Durchschnitt 118.000 Euro (Osten: 63.000 Euro), also  – aber auch 10 Jahre mehr Zeit gehabt, zu sparen. Ohne Inflation und Verzinsung zu berücksichtigen: 10*12*750=90.000 Euro. Damit hätten die beiden also jeweils 125.000 Euro und somit weiterhin etwas über dem Schnitt.
  • Mit 51 läge das Durchschnittsvermögen bei 155.000 Euro (Osten: 104.000 Euro); hätten die beiden ihre Sparrate durchgehalten, lägen sie bei 215.000 Euro und damit schon deutlich über dem Schnitt. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass die beiden ihre Einkommen gesteigert und daher mehr auf die hohe Kante gelegt hätten.
  • Mit 66, dem optimistischen Renteneintrittsalter, hätten die beiden etwa 260.000 Euro. Der Durchschnitt hat 191.000 Euro (Osten: 67.000 Euro!!!).
  • Danach werden Erbschaften und Schenkungen von Eltern oder Partnern relevant und das Vermögen steigt, bevor es dann verbraucht wird.

Die 255.000 Euro aus der dem letzten Abschnitt zugrundeliegenden Tabelle haben sie also nach 10 Jahren eingeholt; oder anders gesagt: Der Durchschnittshaushalt der Tabelle ist also in der Lebenswelt des Paares etwa 40.

Bei all diesen Rechenspielen sollte übrigens man nicht vergessen, dass hier immer das arithmetische Mittel gemeint ist, die jeweilige Gruppe also von Extremwerten „verfälscht“ sein dürfte und der Vergleich daher nicht immer zwingend repräsentativ ist!

Soziale Stellung: Arbeitnehmer

Bei Destatis (PDF, S. 28f) finden wir für einen Arbeitnehmerhaushalt heraus, dass der Nettogesamtvermögens-Durchschnitt bei 143.000 Euro liegt, also beim doppelten unseres Paares. Der Median liegt mit 48.000 Euro allerdings deutlich darunter. Selbstständige haben hier übrigens einen Durchschnitt von 370.000 und einen Median von 192.000 Euro aufzubieten … ob sich also ein Karrierewechsel lohnt?

Wohnsituation: Miete

Unser Paar wohnt zur Miete, was grundsätzlich mit niedrigerem Vermögen korreliert:

Große Unterschiede bei der Höhe des Vermögens bestehen auch bei Mietern und Eigentümern. Der Anteil der Besitzer einer selbstgenutzten Immobilie lag im Jahr 2017 bei knapp 39 Prozent. Ihr durchschnittliches Nettovermögen lag bei rund 225.400 Euro. […] Personen, die zur Miete wohnen – immerhin die Hälfte der gesamten erwachsenen Bevölkerung in Deutschland –, hatten im Jahr 2017 durchschnittlich ein Nettovermögen von etwa 24.100 Euro. [bpb]

Unsere beiden liegen also über dem Schnitt für Mieterinnen und Mieter, aber deutlich unter dem Durchschnittsvermögen von selbstnutzenden Eigentümern – wobei ich annehme, dass in dieser Gruppe das Wohneigentum den größten Teil des Vermögens ausmacht. (Vorsicht übrigens vor der Schlussfolgerung, dass die beiden nur ein Haus kaufen müssten, um reicher zu werden; das verwechselt Korrelation und Kausalität … Ob mieten oder kaufen günstiger kommt, hängt von sehr vielen Faktoren ab und sprengt hier den Rahmen. Finanztip hat was dazu, aber deren Glaskugel für Immobilienpreise ist so gut wie meine.)

Wohnsituation: Zwei-Personen-Haushalt (Haushaltsvermögen)

Unser Paar wohnt ja zudem zu zweit. Paare ohne Kinder hatten laut Destatis (PDF, S. 24) 2018 ein Nettogeldvermögen von durchschnittlich 76.000 Euro (also nur wenig mehr als unser Pärchen mit seinen 70.000 Euro). Alleinlebende übrigens ziemlich genau die Hälfte, nämlich 39.000 Euro. Paare mit Kindern hatten nur 55.700 Euro.

An dieser Stelle würde ich mir eine Angabe als „Nettoäquivalenzvermögen“ wünschen; legte man die gleichen Faktoren zugrunde wie beim Einkommen, hätten die beiden 70.000/1,5=46.666 Euro, also gleich einen guten Schwung mehr. Aber dieses Maß kommt in der Literatur quasi nicht vor.

Sieht man sich, z.B. beim Statistischen Bundesamt, das Haushaltsvermögen an, stößt man auf interessante Zahlen (für das Jahr 2018):

  • Im Durchschnitt haben die deutschen Haushalte ein Netto-Geldvermögen von 55.000 Euro. Unser Paar liegt mit den gemeinsam angesparten 70.000 Euro also ein gutes Stück darüber.
  • Daneben stehen „Verkehrswerte“ (also v.a. Immobilien, nehme ich an, zum Teil noch belastet) von 136.000 Euro pro Haushalt.
  • Unterm Strich ergibt sich ein „Nettogesamtvermögen“ pro Haushalt von 162.000 Euro.

Wir sehen schon, dass hier offenbar die Immobilien einen erheblichen Anteil ausmachen. Grund genug, sich die Struktur des Vermögens mal genauer anzugucken:

Inventur: Was liegt im Sparsäckel der Deutschen?

Unser Paar hat, wie gesagt, nur Tagesgeld. Die Deutschen allerdings nicht.

Aufteilung des Bruttogeldvermögens

Laut Destatis teilte sich das Bruttogeldvermögen (durchschnittlich 58.000 Euro im Jahr 2018) auf in

  • 29% Wertpapiere (17.000 Euro)
  • 28% Sparguthaben (ich habe hier Sparguthaben und Tagesgeldguthaben zusammengerechnet, weil das für mich keinen Unterschied macht; zusammen 16.300 Euro)
  • 25% Lebensversicherungen o.ä. (14.500 Euro)
  • 17% Sonstiges Bankguthaben (incl. Bausparen, ein Wort, das ich nicht mal sauber tippen kann; zusammen 9.600 Euro)

Immobilienbesitz

Insgesamt besitzen (PDF, S. 24)

  • 31% der deutschen Haushalte ein Einfamilienhaus
  • 14% eine Eigentumswohnung
  • 14% etwas anderes (Bauland, Mehrparteienhäuser etc.)

Aufteilung des Gesamtvermögens

Ebenfalls bei Destatis finden wir noch eine größere Statistik aus der Einkommens- und Vergleichsstichprobe (Seitenzahlen beziehen sich auf das eben verlinkte PDF).

Insgesamt sind diese Tabellen etwas umständlich zu lesen und zu interpretieren, weil man sich erstmal entscheiden muss, ob man jeweils die Mittelwerte für alle Haushalte oder für die Haushalten, die Angaben zur jeweiligen Kategorie gemacht haben, werten will; da wir ja unser Paar mit allen vergleichen wollen, nehmen wir den ersteren Fall. Zudem kann man hier nach aus dem ersten Artikel bekannten Kriterien unterscheiden (Haushaltsgröße, Stellung etc.).

Näher kommen wir der Aufteilung des jeweiligen Vermögens auf verschiedene Vermögensklassen leider nicht; „den deutschen Haushalt“ scheint es nur in einem zur Unkenntlichkeit verstümmelten Durchschnitt zu geben.

Ich nehme hier nur den einfachsten Fall, die Werte für alle Haushalte für Gesamtdeutschland aus dem Jahr 2018 (S. 16f). Ich lasse einige Werte weg, trotzdem wird das ziemlich extensiv:

  • Durchschnitt Bruttogeldvermögen: 58.400
  • Median Bruttogeldvermögen: 18.100
  • Durchschnitt Nettogeldvermögen: 55.400
  • Median Nettogeldvermögen: 15.500
  • Durchschnitt Verkehrswert: 136.000
  • Median Verkehrswert: keiner (der Median besitzt kein Haus)
  • Durchschnitt Bruttogesamtvermögen: 194.000
  • Median Bruttogesamtvermögen: 61.700
  • Durchschnitt Schulden: 31.800
  • Median Schulden: keiner (der Median hat keine Schulden)
  • Durchschnitt Nettogesamtvermögen: 162.000
  • Median Nettogesamtvermögen: 46.900

Unser Paar liegt mit seinen 70.000 Euro also deutlich unter dem Schnitt, aber auch deutlich über dem Median des Nettogesamtvermögens. Das Geldvermögen (und damit die Liquidität, die ja auch vor Schulden bei Schicksalsschlägen schützt oder später ein Häuschen kauft) liegt sogar deutlich über allen Mittelwerten. Ob das gut ist oder doch mal was in einen ETF wandern sollte, sei dahingestellt. Die Deutschen hätten jedenfalls in ihrem durchschnittlichen Bruttogeldvermögen von 58.400 Euro einen Wertpapier-Anteil von 16.900 Euro, der sich aufteilt in

  • 6200 Euro in Aktien
  • 8200 Euro in Fonds, davon 3700 Euro in Aktienfonds
  • Die restlichen knapp 3000 Euro verteilen sich auf Geldmarktfonds etc.

International

Wiederum Credit Suisse ist Quelle der Wikipedia-Liste der „Länder nach Vermögen pro Kopf„. Dort landen wir auf Platz 18 (Durchschnitt 270.000 Dollar); Platz 1 belegt die Schweiz (Durchschnitt 675.000 Dollar), den letzten Platz 163 belegt Burundi (728 Dollar). Europa hat insgesamt einen Schnitt von 150.000 Dollar, damit nur etwas mehr als ein Drittel der USA (415.000 Dollar), aber dreimal so viel wie China (58.000 Dollar). In der Liste der „Länder nach Gesamtvermögen“ liegen wir interessanterweise auf Platz 4, hinter den USA, China und Japan.

Fazit

Insgesamt scheint mir das Thema Vermögen noch schwerer zu beleuchten als das Thema Einkommen (gemeint: Einkommen aus abhängiger Beschäftigung oder selbstständiger Arbeit). Das fängt schon damit an, dass oft nicht klar wird, ob nun das Vermögen von Personen oder von Haushalten gemeint ist; ob man von Bruttovermögen oder Nettovermögen spricht und was jeweils genau damit gemeint ist; dass man zu Begriffen wie „Nettoäquivalenzvermögen“ quasi nichts ergooglen kann; und dass grundsätzlich alles Schätzungen und Extrapolationen sind.

Aber selbst aus den leicht zugänglichen Quellen wird schnell klar, dass Vermögen erheblich ungleicher verteilt sind als Erwerbseinkommen. (Kapitaleinkommen zu untersuchen traue ich mich nicht, da findet sich vermutlich gar keine widerspruchsfreie Quelle mehr.) Das ist einerseits problematisch, weil Vermögen prinzipiell gleichbedeutend ist mit Kapital, also potenziellem Produktionsmittel. Diese liegen in den Händen weniger.

Und zweitens, weil Vermögen ja auch eine Einkommensquelle ist: Zinsen mögen niedrig sein, aber Dividenden sind hoch wie nie, von wirklich lukrativen Investitionen ganz abgesehen, die nur den Betuchtesten zur Verfügung stehen (Cum Ex, Cum Cum, da kommt was rum, oder so).

Wie schon weiter oben erwähnt: Man würde sich wünschen, dass dieses relativ schlecht versteckte Problem weiter oben auf der politischen Agenda stünde; aber dem Kapital sind noch immer Nebelkerzen und Manöver eingefallen, davon abzulenken.


Beitragsbild: bpb

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