The Strange Sound of Cthulhu (Gary Hill)

Auf meiner Suche nach cthuloid inspirierter Musik habe ich mir das Werk „The Strange Sound of Cthulhu“ von Gary Hill zu Gemüte geführt. Die meisten besprochenen Bands, Kunstschaffenden und Projekte sagen mir nicht besonders zu, da sie eher aus dem Bereich Metal/Rock/Goth stammen. Ich bevorzuge bekanntermaßen Orchestrales und Ambient.

Die deutsche Übersetzung ist vergriffen, auf dem Sekundärmarkt aber noch gut verfügbar. Sie erschien 2011 bei einem Okkultismus-Verlag namens „Edition Roter Drache‘. Vermutlich wegen des Schwerpunkts Heidentum im Verlagsprogramm äußert sich dieser Verlag, soviel als Randnotiz, recht eindeutig bzgl. politischer Ausrichtung:

Wir beliefern sowohl Geschäfts- wie auch Privatkunden direkt oder über die Barsortimente. Ausgenommen hiervon sind Rechtspopulisten, Querdenker, Nazis und das ganze braune Pack, egal ob Händler oder Privatpersonen. Wir wollen Euch nicht, wir wollen nicht, dass ihr unsere Bücher einkauft, verkauft, lest oder empfiehlt. [Quelle]

Klare Kante, auch wenn es natürlich „empfehlt“ heißen müsste.

Zum Buch

Das Buch führt durch die Rock-, Prog-, Metal-, Punk-Geschichte von den 60ern bis ungefähr 2008 und spürt dabei cthuloiden Einflüssen nach. Das Ganze ist in 14 Kapitel unterteilt. Sechs davon widmen sich einzelnen Genres, fünf einzelnen Künstlern bzw. Samplern, eines dient als Misc-Sammelbecken und man bekommt noch Einleitung und Schlusswort. Und einen Anhang mit Quellen und Index.

Einige Songs hat der Autor einer Detailanalyse unterzogen: Darin beleuchtet er meist Genrezuordnung, musikalische Einflüsse, Aufbau, Instrumentierung, Effekte, gelegentlich Spielweisen; harmonische oder melodische Analysen kommen quasi nicht vor (nur in einigen Künstler-Interviews). Bei vielen Songs werden vor allem die Lyrics ausgiebig besprochen und Bezüge zu HPL-Geschichten hergestellt. Dadurch wird das Buch auch zu einer kleinen Mythos-Einführung (die man aber cum grano salis nehmen und nochmal nachprüfen sollte).

Einige Bands und Tracks werden nur erwähnt. Das reicht auch, denn auf ca. 275 Seiten Hauptteil kommen mehrere hundert Songs vor. Es ist wirklich beeindruckend, wie viele Musikstücke mit Mythos-Bezug im Laufe der behandelten 4-5 Jahrzehnte entstanden sind.

Beim Lesen fand ich es recht hilfreich, in die meisten Sachen mal kurz reinzuhören, denn abgesehen von Metallica kannte ich nur recht wenig. Daher habe ich, was ich finden konnte, in folgender Playlist zusammengefasst.

Playlist

In dieser Playlist sind alle im Buch erwähnten Stücke aufgeführt, die ich auf Spotify gefunden habe. Die Reihenfolge entspricht ziemlich exakt der im Buch. Bei Lücken bitte einfach kommentieren.

Einiges war leider nicht zu finden, aber der Autor konnte 2010 ja nicht ahnen, dass irgendwann nur noch Musik zählt, die auf Streaming-Diensten läuft … Was mir hierbei wieder auffiel: Der Spotify-Such-Algorithmus ist schon ausnehmend gängelnd und die Suchsyntax alles andere als intuitiv. Oft findet man einen Song erst, wenn man den letzten Buchstaben eintippt, obwohl einem die laufend aktualisierte „Vorschau“ vorgaukelt, das Stück gebe es nicht. Oder man suche nach Rihanna. Naja.

Vor allem im US-Metal-Bereich ist aber das meiste verfügbar. Spotify-Lücken fielen mir hier auf:

  • Halloween
  • Djam Karet – Mountains of Madness
  • Payne’s Gray
  • Thergoton
  • Azathoth – Artless Puppet Show
  • NecronomicoN
  • Electric Wizard – Supercoven (gibt es auf Youtube, da inoffiziell gibt’s hier keinen Link)
  • Eterne – Crawling Chaos (sehr nett, ebenfalls inoffiziell auf YT)
  • Kindred Idol
  • Bloodhag – H.P. Lovecraft (Bandcamp)
  • Non Serviam
  • Fireaxe
  • Rudimentary Peni – Cacophony (YT)
  • White Flag
  • Musik der HPLHS (Shop)
  • Alle Beiträge des Samplers „Strange Aeons“ (Alte Quelle)
  • Children of the Monkey Machine

Fazit

Wenn man cthuloide, Lovecraft-inspirierte Musik mag, braucht man das Buch. Punkt. Es fehlt einiges, zum Beispiel die auch schon weit vor 2010 aktiven Musica Cthulhiana, aber so gut wie alle Mythos-Fans dürften in „fremderen“ Genres etwas neues finden.


Beitragsbild: Photo by Valentin Salja on Unsplash 

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