Woche Sechs: A few quick notes

„Writing is betrayal.“
Jacques Derrida, nach einer der u.g. Dokus

Nachdem das Wochenende eher gemächlich verlief, nur durchbrochen durch ein bisschen Orchestermusik, ging es unter der Woche irgendwie sehr trubelig zu. (Ich finde das Wort trubelig so furchtbar, dass ich es hier mal verewigen musste.) Und da ich das Wochenende vielbeschäftigt in Nürnberg verbringe, versuchen wir es heute mal wirklich kurz.

[Alle Artikel zum Thema Sabbatical finden sich hier.]

Transit

Hurra! Jawohl, die Zugbindungen aller bis 23.11. gebuchten Tickets ist aufgehoben. D.h., ich kann mir für die verbliebenen beiden Fahrten (nächsten Dienstag nach Jena, dann am 16.12. in die „Weihnachtsunterbrechung“ zurück) raussuchen, wann ich sie antrete. Von irgendwelchen Problemen mit dem Fernverkehr habe ich auch nichts bemerkt. Hoffen wir, dass es dabei bleibt.

Eine Anmerkung zu den Jenaer Buslinien: Ein paar davon, in den Randbezirken, wirken wie Relikte. Haltestellen werden nicht durchgesagt, Fahrer sind unfreundlich zu Schulkindern („morgen hast du das Ticket in der Hand, sonst brauchst du gar nicht einsteigen!“). Ob man ein Ticket vorzeigen muss, liegt an der Bauweise des Busses – im einen Modell (regulärer Linienbus) darf man gar nicht zur Fahrerin vor, im anderen (Typus „Reisebus“) muss man zwingend, sogar mit Thoska auflegen.

Inhalte & Lektüren

Das meiste wie gehabt: viel Systemtheorie als Privatvergnügen, und dazu das reguläre Programm. Zu Kant hatte ich ja behauptet, wir wären schon beim kategorischen Imperativ gewesen, aber als solcher benannt und weiter charakterisiert wird er erst jetzt.

Ansonten Bemerkenswertes:

Religion & Geschlecht

Clemens von Brentanos hatte ein merkwürdiges Projekt: Er begleitete eine Stigmata tragende, visionäre Nonne einige Jahre bis zu ihrem Tod. Da spielte offenbar vieles hinein; seine eigene Entwurzelung in Folge von (mal wieder) Liebeskummer; sein Hadern mit einer Zeit von Aufklärung, Rationalität, „Entzauberung“; und wohl auch eine tiefe Skepsis gegen die Authentizität von Fabeln, Mythen, Märchen. Mir klingt das wie eine heftige Sinnkrise.

Wer einen sehr dichten Text dazu lesen möchte, dem sei „Halb Wunderthier, halb Aschenbrödl“ von Ulrike Landfester (PDF bei der Uni St. Gallen) empfohlen. Darin wird Luhmanns „Liebe als Passion“erwähnt, das ich nie gelesen habe. Das wandert nun auf den Stapel zu lesender systemtheoretischer Literatur – Luhmann über Liebe kann ja nur gut werden!

Derrida

Mit dem Text für das Sprach-Seminar bin ich ja schon durch (nein, eine Wiederlektüre tue ich mir erstmal nicht an). Allerdings interessiert mich nach wie vor, was ich von Derrida halten soll. Daher habe ich mir diese Woche ein paar zusätzliche Materialien zu Gemüte geführt:

  • Die Doku „Derrida„: – Tatsächlich eher ein Portrait; der Journalismus beschränkt sich darauf, Derrida zu begleiten und ihm immer wieder Fragen zu stellen, die er nicht beantworten will (was er dann aber recht charmant ausdeutet und dadurch eben doch wieder etwas sagt). Sagen wir: Derrida kommt deutlich besser weg als die Interviewenden. (Die Musik ist von Ryūichi Sakamoto!)
  • Die Doku „Derrida’s Elsewhere„: Besser gemacht als die andere Doku. Beide Filme hinterlassen bei mir eine gewisse Sympathie für den Mann.
  • „How to Read Derrida“ von Penelope Deutscher: Noch nicht fertig, aber das ist der erste Text von oder zu Derrida, der mir einen gewissen Sinn offenbart, wenn ich ihn konzentriert lese.
  • Die beiden oben abgebildeten Junius-Einführungen dagegen habe ich, nachdem mir das jeweils erste Kapitel unlesbar erschien, wieder zurückgestellt.

Veranstaltungen und Uni

Ich stelle fest, dass wir uns anscheinend in einem Mitt-Semester-Nadir befinden. So leer waren Vorlesungen, Tutorien und Seminar bislang noch nicht. Ich bin gespannt, ob das wieder aufwärts geht, wenn die Prüfungsphase naht …

Am Wochenende fiel mir auf, dass die Uni-Infrastruktur an einigen Stellen etwas schwächelt. So hat meine geliebte Thulb am Sonntag nur von 10–18 Uhr geöffnet, Samstag immerhin 10–20 Uhr. Die größeren Bibliotheken in Nürnberg und Erlangen schließen nie vor 24 Uhr. Klar, das ist allermeistens nicht furchtbar schlimm, aber gerade, wenn man noch eine halbe Stunde bei Minusgraden herumbringen muss, wäre es praktisch, das in einer Bibliothek tun zu können. (Kaffee gibt es dann leider keinen.)

Und sonst?

Hurra, diese Woche wurde es kürzer! Auf ins Wochenende.

PS: Wenn man im Theater lieber Schließfächer als die Garderobe nutzt – muss man dann eigentlich auch Self-Service-Kassen bevorzugen?

2 Gedanken zu „Woche Sechs: A few quick notes“

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